I. 2. Zustände und Stiuilmiugcu in Wien,
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er behutsam in einer größeren Versammlung nicht wagen wollte dieErmordung Latour's selbst anzngreifen, aber doch sagte, es sei schänd-lich mit dem Leichnam einen so schauderhaften Misbrauch zu treiben,in demselben Augenblick einen Stich von rückwärts bekam, an demer vier Wochen zu Bette lag." Genügte doch ein bloßer Verdacht,eine ans der Luft gegriffene Anzeige, daß jemand dem unheilvollenTreiben entgegen sei, um ihn den unbarmherzigsten Mishandlungen,selbst der Gefahr am Leben ansznsetzen. Der denunciatorische Ruf:,,Ein Schwarzgelber!" war in den Octobertagen hinreichend, eineMasse sonst ganz ehrlicher Leute in blinde Wuth zu versetzen, daßsie über den ihnen Gezeichneten herfielen, ihn unter Faustschlägenund Stößen zu Boden warfen, ihm die Kleider vom Leibe rissen, jaibn znm Tode schleppten, wenn es nicht irgend einem Besonnener«gelang, ihn ans die Universität vor den Richtcrstuhl des Studenten-ausschußes abfnhren zu lassen.
Das sprechendste Bild, wie es mit der freien Meinungsäußerungin Wien stand, lieferte die October-Presse. Die Blätter der äußer-sten Rechten hatten gleich anfangs eingehen müssen. I. F. Böhrin-ger, Nedacteur der „Geißel", wurde am 6. October nur durch dieentschlossene Dazwischenkunft eines Akademikers vom äußersten gerettet;nachdem seine Zeitschrift längst aufgehört, erschien dann um dieMitte October eine falsche „Geißel" unter einem Titular-Redactenr,der sich spottweise bald Möhringer, bald Vöhringer, bald Höhringernannte. Der launige I. B. Weiß, Herausgeber des „Hans-Jörgel",hatte gleich nach dem 0. mit den Worten: „Man muß nicht vonallem haben", der Stadt den Rücken gekehrt; auf seiner Villa inSpeising prangte die Aufschrift „National-Eigenthnm". Dem Eigen-thnmer des „Zuschauer" Ebersberg wurde am 9. von der DruckereiUeberrenter gekündigt, wenn er „nicht eine andere Tendenz einschla-gen wolle"; er mußte wochenlang herumsuchen, ehe er eine Officinfand, wo er sein seit mehr als einem Vierteljahrhundert bestehendesBlatt fvrtsetzen konnte. „Wir sehen hierin durchaus keinen Terroris-mus". bemerkte zu diesen Vorgängen überaus naiv der „Studenten-Couricr" (Nr. 106, S. 4ll6); „denn Blätter, die unter dem Deck-mantel der Gesetzlichkeit jede noch so ehrliche Freiheilsbestrebung füranarchisches Gelüste ansschreien, dürfen nun und nimmermehr gedul-de! werden." Als ob die Freiheit, die „wahre", die „volle" Freiheit,