Philipp Krc»l§.
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feindlichen, freiheitsmörderischen Ungethüms^, der „medusenhäuptigenEamarilla", von der alles Unheil und Böse ausgehe, bezeichnet sehenmußte? Oder waren es die constitutionellen Minister? Deren gab es imMonat October zwei, von denen jeder auf anderem Boden stand undin völlig geschiedener Sphäre wirkte; welcher von beiden nun wares, der den Ton angab: der Olmüzer Festungs-Minister Wessenbergoder der Wiener Aufstands-Minister Kraus?
Nicht bald hat ein Ehrenmann, was er durch und durch war,und ein treuer Staatsdiener, was er nicht minder war, eine zwei-deutigere Rolle gespielt, als Philipp Kraus während der Oetoberzeitin Wien. Als alles zusammenzustürzen schien, der Hof floh, dieRäthe der Krone nach allen Richtungen der Windrose auseinander-gesprengt waren, die Militärgewalt, an jedem wirksamen Eingreifenverzweifelnd, sich auf eine unthätig beobachtende Stellung beschränkte,da war es reinstes Pflichtgefühl und unerschütterliches Vertrauen indie höhere Macht, in deren Händen die Geschicke des Einzelnen wie desMenschengeschlechtes ruhen, was den tief sittlichen und religiösenMann auf einem Posten ausharren ließ, wo er für die an denschwächsten Fäden hängende Regierung bald alles in allem war, Finanzminister, Minister des Innern, Kriegsminister, Justizminister,Unterrichtsminister, Minister der öffentlichen Arbeiten. Wenn auchbegreiflicher Weise bei der Oede, die in den von ihren Beamten ge-flohenen Bureaux herrschte, kaum mehr gearbeitet wurde, als wasvom Drang des Augenblicks geboten war, so konnte doch nur eine soeminente administrative Gewandtheit, eine so staunenswerthe Geschäfts-und Gesetzeskenntnis, wie sie Philipp Kraus besaß, der Riesenaufgabegenügen, die in jenen verhängnisvollen Tagen auf den Schulterneines Mannes lastete. Die eiserne Ruhe, die sich durch nichts ausder Fassung bringen ließ, der wohlwollende Ausdruck, der kaum inden schreckensvollsten Momenten von seinen mild heitern Zügen wich,die Gelassenheit, womit er bei den stürmischesten Auftritten dasWort ergriff und Klarheit in den Wirrsal der Meinungen zu brin-gen verstand, sicherten Kraus eine Neberlegenheit und einen Einflußüber die tonangebenden Gewalten, deren sich diese kaum bewußtwaren. In einer Zeit, wo Widerstreben nicht bloß nutzlos, sondernunklug und gefährlich gewesen wäre, verzichtete er auf das Unerreich-bare, um das Erreichbare zu retten. Er weigerte sich das ihm zuge-