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I. 1. Das kaiserliche Hoflager in Olmüz.
gung eines leidenschaftlichen Gelüstes der Hebel aller rasch aufeinander-folgenden Aufregungen. In den höchsten Regionen hat man kaumanderes als Abwendung unmittelbar drohender Gefahr oder Errin-gung eben so theuer erkaufter als schnell in dem aufgewühlten Bo-den wieder versiegender Dankesergüfse im Auge; verzweifelnde Hin-gabe an das scheinbar Unvermeidliche, gänzlicher Mangel maßgebenderRegierungsgrundsätze walten in den Kreisen, welche die Geschickeder Monarchie zu lenken berufen sind. Wenn wir einen MinisterOesterreichs in offener Reichsversammlung das Wort sprechen hören:,,Der Weltgeist macht jetzt Politik", d. h. nicht wir, die verant-wortlichen Näthe der Krone, so ist damit alles gesagt. WohinZustände solch ziel- und planloser Zerfahrenheit am Ende führenmußten, das zeigte sich ganz kläglich in der Zeit nach dem 6. October,wo es nach monatlangem Gaukelspiel einmal furchtbarer Ernst zuwerden drohte und wo eben darum jeder der Betheiligten erst rechtnicht wußte, was er eigentlich wollte, oder, wenn er es zu wissenglaubte, es zu wollen sich nicht getraute. In Olmüz saß der Hof,gebeugt und rathlos; hinter der Leitha standen die Ungarn, eben sobegehrlich als unschlüssig; in Wien tagte der Rumpf des Reichstages,der den Hof nicht wünschte, aber fortwährend mit ihm unterhandelte,und die Ungarn wünschte, aber mit ihnen zu unterhandeln sich sorg-fältig hütete.
Der Aufenthalt der kaiserlichen Familie hinter den schützendenWällen der Festung Olmüz bot den radicalen Tagesblättern uner-schöpflichen Stoff zu höhnischen Ausfällen, während die Permanenzdes Wiener Reichstages in gleißnerischen Redensarten ihr Bedauernüber einen Schritt aussprach, der den Kaiser aus der Nähe seinerHauptstadt gebracht und dadurch die Lösung aller Mißverständnisse,die sonst unschwer erfolgen könnte, in die Ferne gerückt habe. Doch -der Hof ließ sich weder aufreizen durch die Pfeile einer ohnmächtigenWuth, die sich wider Wunsch und Erwarten ihre Beute entrissensah, noch verlocken durch die Sirenenstimmen einer scheinheiligenLoyalität, die Hand in Hand mit offener Empörung ging. Die Zag-haftigkeit des kränkelnden Kaisers war vielleicht die Rettung derMonarchie. Ein Herrscher von stärkeren Nerven, der am 7. Octobermit seiner Abreise von Schönbrunn zögerte, brachte seine persönlicheSicherheit und die Freiheit seiner Entschließungen in Gefahr; wenn