48
Soldatenwesen.
St. MarkusplaN.
Kirche S. Martiund
S. Gemtniam.
Drei hoheMastbäumc.
Dergleichen Chargen aber betreffend ist zn wissen, daß,obwohl dieselben sehr honorabel und gleichsam Gouver-neurs von der Stadt ausmachen, jedoch dieselben ihnensehr hoch und theuer zu stehen kommen, solcher gestalt,daß gemeldeter Kapitän sich hernach die Stelle zn Gnadenabgebetcn.
Die Militärverfassnng zn Venedig scheint ziemlichkrebsgängig zn werden, und wird jederzeit von einemausländischen General, welchem ein Nobile zugegeben wird,kommandiert.
Nach bisher nur etlichermaßen in Genere angemerktenZustande dieser Republik, wende ich mich zu jenen Sachen,welche Seine Durchlaucht besonders in Augenschein zunehmen geruht haben. Die Tagordnung, wie Höchst-dieselbe während des Aufenthaltes solche Angebracht, werdeich nach diesem behörendermaßen spezifizieren.
Der große und weltberühmte St. Marcusplatz ist inder Thal eine der größten Zierden dieser so schönen undherrlichen Stadt. Es präsentiert derselbe allerdings eingroßes, geraumes Viereck; von dem untersten Prospekt er-blickt man die admirable Architektur der sehenswürdigenKirche S. Marci. Gegenüber ist die andere S. Geminiani.Auf beiden Seiten stehen die ansehnlichen, von einer ge-wissen Art Marmor erbauten Prokuraturhäuser. Unterdenselben die bedeckten Gänge, welche ans einer Seite mitkleinen, propern Kaffeehäusern, worin von allerhandSorten Leute, wie man solche haben will, anzutreffen,auf der anderen mit vielfältigen Boutiken versehen.
Dieser große Platz hat in der Länge in circa 300,in der Breite 120 Schritte und ist ebenmäßig mit einerArt Marmor ans das zierlichste gepflastert. Vor derMarcuskirche sieht man drei hohe Mastbänme, woran beigroßen Festivitäten die Hanptfahnen pflegen aufgestecktzu werden. Nicht minder ist allda der hohe viereckigeThurm, welcher zwar ohne Staffeln, jedoch so künstlichund kommod zugerichtet, daß man allerdings ohne Mühemit einem mittelmäßigen Pferde bis oben hinauf undwieder herunter reiten könnte.