Druckschrift 
Pfalzgraf Friederich Michael von Zweibrücken und das Tagebuch seiner Reise nach Italien
Seite
LII
Einzelbild herunterladen
 

— 1ÜI —

Als der König von Preußen heranzog, um Sachsen wiederzu gewinnen, räumte Pfalzgraf Friedcrich Michael am 23. OktoberWittenberg, marschierte nach Leipzig und verschanzte sich dort, umdie kaiserliche Armee unter Daun zu erwarten, die der Verabredunggemäß sich-dorthin wenden sollte. Am 27. Oktober marschiertedieser auch wirklich gegen Leipzig, allein die Gefahr, durch diePreußen von der Elbe abgeschnitten, zu werden, bewog ihn, nochan demselben Tage nach Torgau zurückzukehren und die Reichs-armee ihrem Schicksale zu überlassen. Als Generalmajor Lindenmit 9000 Mann Preußen am 30. Oktober auf Befehl des Königsvor Leipzig erschien und in die Stadt eindrang, zog sich der Pfalz-graf mit der Reichsarmee rechtzeitig zurück und bezog ein Lagerzuerst bei Wechselburg an der Zwickauer Mulde, am 7. Novemberaber in der Gegend von Chemnitz.

Am 3. November errang König Friedrich einen entscheidendenSieg über Feldmarschall Daun bei Torgau und zwang ihn zumRückzuge bis Dresden, wo sich die österreichische Armee hinter demPlauen'schen Grunde den Winter über lagerte. Am 4. Novemberbesetzte Hülsen das von den Kaiserlichen geräumte Torgan; so befandsich nun am Ende des Feldzuges ganz Sachsen mit Ausnahme vonDresden wieder in der Macht des Königs von Preußen.

Müde seiner undankbaren Aufgabe, erzürnt über die Vor-würfe Dauns, legte nun Pfalzgraf Friedcrich Michael den Ober-befehl über die Reichsarmee nieder und begab sich nach Wien-Bis zur Wahl eines neuen Reichsgenerals übertrug der Kaiser dasKommando dem General Haddick. Dieser führte die Armee MitteNovember durch das sächsische Voigtland nach Frauken und ließ siezwischen Hof und Bamberg Winterquartiere beziehen.

An des Pfalzgrafeu Stelle wurde am 26. April der öster-reichische Feldzeugmeister Graf Serbelloni als Oberbefehlshaber derReichsarmee ernannt, nach Schlosser's Schilderung ein vornehmer,phlegmatischer, sehr zweideutiger Italiener und schlechter General,der oft die wichtigsten Rapporte im Bette, ein Buch in der einen,eine Tasse Chokolade in der anderen Hand, anhörte und kaumbeantwortete.

Pfalzgraf Friederich Michael übernahm nach seinem Rücktrittevon dem Befehle der Rcichsarmee das Generalkommando im König-reiche Ungarn, das ihm schon im März 1759 übertragen worden