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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
338
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d. h. mit besseren Produktionsmitteln hätte ausgestattet werden können;nicht aus ihrem Gewinne, sondern aus dem gesteigerten Ertrage hättendie Arbeitgeber die Lohnaufbesserung gedeckt, ja ihr Gewinn wäre sogargewachsen, ihr Reichtum, dargestellt durch die in ihrem Besitze befind-lichen kapitalistischen Arbeitsmittel, hätte sich vermehrt. Das schließtnatürlich nicht aus, daß einzelne Produktionszweige unter diesem Um-schwünge gelitten hätten, denn die Zunahme des Konsums infolge ver-besserter Löhne erstreckt sich nicht gleichmäßig auf alle Bedarfsartikel.Der Konsum kann sich im Durchschnitt verzehnfacht haben und trotzdemdie Nachfrage nach einem einzelnem Gute ziemlich stationär bleiben, javielleicht sogar zurückgehen; dafür aber wird in diesem Falle ganz ge-wiß die Nachfrage nach anderen Gütern sich mehr als verzehn-fachen, den Einbußen einzelner Arbeitgeber stehen sicherlich desto größereGewinne anderer Arbeitgeber gegenüber und als allgemeine Regel kannüberall gelten, daß der Reichtum der Besitzenden im geraden Verhält-nisse mit dem Arbeitslöhne wächst, den sie bezahlen müssen. Es istdies ja anders auch nicht möglich, da dieser Reichtum der besitzendenKlassen der Hauptsache nach in gar nichts anderem besteht, als inden Produktionsmitteln, die zur Herstellung der Bedarfsgüter des ganzenVolkes dienen.

Und sollte mein geehrter Landsmann vielleicht meinen, daß mansich mit der Frage der Lohnerhöhung in einem Zirkel bewege, indemeinerseits die Ergiebigkeit der Arbeit, d. i. der Nutzwert der Arbeits-kraft allerdings nicht verbessert werden könne, so lange der Volks-gebrauch, d. i. der Selbstkostenbetrag der Arbeitskraft, sich nicht steigere,anderseits aber auch letztere Steigerung undurchführbar sei, so langeerstere nicht zur Thatsache geworden; so sage ich ihm, daß dies ebender verhängnisvolle Aberglaube ist, den die besitzenden Klassen und dieMachthaber so manchen Landes nun so grausam zu büßen haben. Dader Arbeitslohn in der ausbeuterischen Welt immer nur einen Teilund dazu in der Regel einen sehr geringen des Arbeitsertrages bean-spruchte, so waren — von höchst vereinzelten Ausnahmen abgesehen —die Arbeitgeber sehr wohl in der Lage, Lohnerhöhungen zu gewähren,noch bevor die, allerdings erst als Folge allgemeiner Lohnerhöhungzu gewärtigende Steigerung der Erträge faktisch eingetreten war; ichsage ihm, daß speciell in China durchschnittlich selbst der dreifache undvierfache Lohn noch immer nicht den ganzen — wohlverstanden nichteinmal den alten, von der Erhöhung der Erträge noch unbeeinflußten —Gewinn verschlungen hätte. Die Arbeitgeber konnten also mehr zahlen,sie wollten bloß nicht. Letzteres war vom Standpunkte des Einzelnenbetrachtet auch ganz begreiflich; Jeder sorgt bloß für den eigenen Vor-teil, und dieser verlangt, daß man vom erzielten Nutzen so viel alsmöglich für sich behalte, so wenig als möglich anderen abtrete. In diesem