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Ersteres anlangend, brauche ich bloß darauf zu verweisen, daß derMensch allerdings der König der Tiere ist, daß er sich aber in demPunkte, auf welchen es hier ankommt, mit nichten von ihnen allenunterscheidet. Es gibt Tiere, die, wenn sich die Nachstellung des einenFeindes vermindert, doppelt lebhafter Nachstellung anderer Feinde ver-fallen können und bei denen daher, wie der Herr Vorredner ganz richtigbemerkt, die Wiederherstellung des gestörten Gleichgewichts nicht not-wendigerweise eine Verminderung der Fruchtbarkeit zur Voraussetzunghat; es gibt aber andere Tiere, bei denen es sich diesbezüglich genauwie beim Menschen verhält: sie haben überhaupt keinen Feind, den siezu fürchten brauchten und ein Wechsel der Sterblichkeit kann daher beiihnen nur durch Anpassung des Fortpflanzungsvermögens ausgeglichenwerden. Die großen Raubtiere der Wüste und des Meeres und nochgar manches andere Tier zählen zu dieser Sorte. Welcher Feindhindert Löwen und Königstiger, Pottfisch und Haifisch, sich bis an dieGrenzen ihres Nahrungsspielraums zu vermehren? Doch nicht etwader Mensch? Sollte man über letzteres wirklich im Zweifel sein, sofrage man sich doch, wer sie daran hinderte in jenen ungezählten Jahr-tausenden, in denen der Mensch ihnen noch nichts anzuhaben vermochte,oder gar noch nicht existierte? Sie haben aber — als Art betrachtet —niemals Nahrungsmangel gelitten, folglich muß ihnen die Natur genaudas Nämliche geleistet haben, was wir von ihr erwarten.
Doch wie gesagt, sie hat es uns bisher schon geleistet. Denn daßin den früheren Kulturepochen der Mensch sie in diesem Beginnen, d. h.in der Erhaltung des gebotenen Gleichgewichts zwischen Sterblichkeitund Fruchtbarkeit seiner Art unterstützte, ist unrichtig. Allerdings ließenes sich die Menschen bisher angelegen sein, ihre Sterblichkeit zu erhöhen,indem sie sich gegenseitig erschlugen oder zu Tode peinigten; aber damitstellten sie nicht ein durch allzugroße Fruchtbarkeit oder allzugeringeSterblichkeit bereits gestört gewesenes Gleichgewicht her, sondern störtenumgekehrt das von Natur aus bestehende Gleichgewicht, die Naturnötigend, ihre, der Menschen, brutale Eingriffe durch erhöhte Fruchtbar-keit nachträglich gutzumachen. Der Vorredner irrt, wenn er die hier zurSprache gelangte Entstehung der Anthropophagie aus dem ersten Kon-kurrenzkämpfe in der menschlichen Gesellschaft dahin anslegt, daß es derHunger, die Einengung des Nahrungsspielraums sei, was den Wildenveranlaßt, den Mitwilden zu töten oder vollends aufzufressen. Ob derGegner erschlagen wird, oder nicht, ändert an den Nahrungsverhältniffendieser zweibeinigen Raubtiere nichts wesentliches; dafür, daß sie sich nie-mals bis zu wirklicher gegenseitiger Einengung ihres Nahrnngsspielraumsvermehren, sorgt die Natur ganz von selbst; wenn ihrer zehnfach mehrwären, fänden sie nicht reichlicher, aber auch nicht spärlicher Nahrung;sie stellen einander gegenseitig nach und morden einander aus Bosheit