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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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es der Physiologie gelingen würde, verläßliche, der Gesundheit nicht ab-trägliche, das ästhetische Gefühl nicht verletzende, dabei aber auch keinerleiasketische Enthaltsamkeit fordernde Mittel an die Hand zu geben, währenddie bisher von verschiedener Seite in Vorschlag gebrachten, hie und daauch thatsächlich angeweudeten, allesamt zum mindesten gegen eine dieserBedingungen sehr fühlbar verstoßen. Zum zweiten muß angenommen wer-den, daß die öffentliche Meinung sich zu Gunsten der geschlechtlichen Vor-beugung wenden würde, sowie diese wirklich im allgemeinen Interesse gelegenwäre, denn daß man sich bisher durch alle noch so beweglichen Dekla-mationen der Vorbeugungsapostel in seinen Gefühlen nicht irremachenließ, hat darin vollauf berechtigten Grund, daß diese Apostel etwasdurchaus Überflüssiges empfahlen. Es gab und gibt bisher keine Über-völkerung, den arbeitenden Massen wäre mit der Enthaltung von Kinder-erzeugung nicht im geringsten geholfen; die Vorbeugung wäre also inWahrheit nichts anderes gewesen, als eine Art Kinderopfers vor demMoloch des ausbeuterischen Vorurteils. Darüber ließ sich der Volks-instinkt nun einmal nicht täuschen und die moralischen Instinkte, nichtdie Theorien sind es, durch welche die moralischen Anschauungen be-stimmt werden. Wenn dagegen eine wirkliche Übervölkerung — gleich-viel in welcher Form — drohte, Beschränkung der Kindererzeugung alsoim allgemeinen Interesse gelegen wäre, dann müßten auch die An-schauungen über Vorbeugung andere werden. Träfe dies nun zu, dannläge es vollkommen im Belieben der Gesellschllft, je nach Bedarf dieVolksbewegung zu regeln. Es läßt sich ganz gut denken, daß dazukeinerlei Eingreifen von obrigkeitwegen—obrigkeitliche Willkür, vongesamtheitswegen geübter Zwang, ist in der freien Gesellschaft selbst-verständlich absolut ausgeschlossen und gar nicht in den Kreis der Er-wägung zu ziehen — erforderlich wäre. Schon die veränderte An-schauung über die Bevölkerungsfrage, die sich allgemach zur Geltungeines Moralprinzips erhebende Meinung, daß es schädlich sei, zahl-reiche Kinder zu erzeugen, müßte sich als hinreichend wirksam erweisen,vorausgesetzt natürlich, daß unfehlbare und das ästhetische Gefühl nichtverletzende Mittel der Vorbeugung vorhanden wären. Sollte diese Rück-sicht aber nicht genügen, so könnte durch Erhöhung der Erziehungslastder Kinder oder sonst in irgend einer Weise, der Anreiz zu solchemThun verschärft werden.

Aber es ist in Wahrheit ganz und gar müßig, sich in derlei Er-wägungen zu ergehen, denn die Natur bedarf in diesem Falle der be-wußten Mithilfe des Menschen nicht im entferntesten, der Mensch machtdiesbezüglich keine Ausnahme von seinen Mitgeschöpfen; was er vonder Natur hier erwartet, das leistet sie im selben Maße anderen Tierenauch, und was das Entscheidende ist, sie hat es ihm selbst bisher schongeleistet.