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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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oder auch Schaden — der Produktion gehörte ausschließlich denUnternehmern. Mit ungefähr demselben Rechte könnte er behaup-ten, daß seine Ochsen oder Pferde am „Nutzen" der Produktionteilhaben. Wenn ich sage, mit „ungefähr" demselben Rechte, so

meine ich damit, daß dies von Ochsen und Pferden in der Regelmit etwas besserem Rechte gesagt werden könnte, denn währenddiese nützlichen Kreaturen zumeist besseres und reichlicheres Futter er-hielten, wenn ihre Arbeit den Herrn reich gemacht hatte, geschah diesbei unseren zweibeinigen, vernunftbegabten Arbeitskreaturen höchstens insehr seltenen Ausnahmefällen.

Dann verwechselt der Herr Vorredner vollends den Hunger mitdem Eigennutze. Die Massen müssen arbeiten, sonst verhungern sie.Allerdings. Aber der Sklave muß auch arbeiten, sonst erhält erPrügel — folglich, so sollten wir nach dieser seltsamen Logik sagen,wird auch der Sklave durch Eigennutz zur Arbeit getrieben. Oder willman sich vielleicht darauf steifen, daß Eigennutz sich nur auf die Er-langung materieller Güter beziehe? Das wäre zwar falsch, denn Prügelvermeiden ist schließlich nicht mehr und nicht minder eine Forderungdes Eigennutzes, als den Hunger stillen; aber ich will um solche Kleinig-keiten nicht streiten; lassen wir also den Stock und die Peitsche alsSymbole vom Eigennutz beflügelter Betriebsamkeit gelten. Wie abersteht es dann mit jenen Sklavenhaltern, die — wahrscheinlich im In-teresse der ,Freiheit der Arbeit — ihre faulen Sklaven nicht prügelten,sondern hungern ließen? Unter deren Zucht wurde — dem Vor-redner nach — offenbar der Eigennutz als Triebfeder der Arbeit aufden Thron gesetzt? Daß der Hunger ein sehr wirksames Zwangs-mittel ist, ein wirksameres, als die Peitsche — wer wollte das leugnen;er hat daher letztere auch überall und sehr zum Vorteile der Arbeit-geber verdrängt. Aber Eigennutz? Dazu gehört, das sagt schon derKlang des Wortes, daß der Nutzen der Arbeit Eigen des Arbeitendensei. Soviel über den Eigennutz.

Und was nun vollends die Verwahrung gegen das Unrecht derAusbeutung anlangt, so verstehe ich dieselbe schon ganz und gar nicht.,Frei' waren die Arbeiter, nichts zwang sie, zu fremdem Vorteil zuproducieren? Jawohl, nichts als die Kleinigkeit, der Hunger. Siemochten es immerhin bleiben lassen, wenn sie verhungern wollten!Wieder genau dieselbe -Freiheit, die auch der Sklave hat. Wenn ihndie Peitsche nicht geniert, nötigt ihn nichts zur Arbeit für seinen Herrn.Die Fesseln, in denen die,freien' Massen der ausbeuterischen Gesellschaftschmachten, sind enger, peinigender, als die Ketten des Sklaven. DasWort -Raub' gefällt dem Vorredner nicht? Es ist in der That einhartes, häßliches Wort; aber der ,Räuber' ist ja nicht der einzelneAusbeuter, sondern die ausbeuterische Gesellschaft, und diese war einst,

Hcrtzla, „Freiland". 19