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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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daß es geschehen werde. Und was dann, wenn es nicht geschieht, wennsich zeigen sollte, daß — sagen wir nicht alle, aber doch zahlreiche —Völker des Stachels von Not getriebenen Eigennutzes, des Lockmittelsvollen und ganzen Eigentums nicht entbehren können, ohne in Stumpf-sinn und Trägheit zu verfallen? Das sind die Fragen, auf die wir zu-nächst Antwort erbitten.

Richard Held (Centrum). Der Vorredner findet, daß Eigennutzund Eigentum so wichtige Beförderungsmittel der Betriebsamkeit sind,daß ohne deren volle und uneingeschränkte Wirksamkeit menschlicherFortschritt auf die Dauer kaum denkbar und deren Ersatz durch denGemeinsinn höchst unverläßlich wäre. Ich gehe viel weiter. Ich be-haupte, daß ohne diese beiden Anreize der Betriebsamkeit an mate-rielles Gedeihen irgend welchen größeren Gemeinwesens gar nicht zudenken ist, zum mindesten insolange nicht, bis die menschliche Natursich nicht radikal geändert, oder die Arbeit aufgehört hat, eine Plagezn sein. Jeder Versuch, auf wirtschaftlichem Gebiete den Eigennutzdurch Gemeinsinn oder anderweitige ethische Triebfedern zu ersetzen,müßte schmählich Fiasko leiden. Das eigens zu beweisen, halte ich fürganz überflüssig; aber gerade weil dem so ist, gerade weil der Eigen-nutz und sein Korrelat, das Eigentum, die besten, durch keinerleiSurrogat gleich wirksam zn ersetzenden Triebfedern der Arbeit sind,gerade deshalb, so sollte ich meinen, verdienen die Einrichtungender wirtschaftlichen Gerechtigkeit auch in diesem Betracht ganz aus-gesprochener Maßen den Vorzug vor denen der ausbeuterischen Wirt-schaftsordnung. Denn sie erst bringen Eigennutz und Eigentum wirklichzur Geltung, während die ausbeuterische Ordnung sich dieses Verdienstnur fälschlich anmaßt.

Die Knechtschaft ist doch in Wahrheit geradezu die Verneinungdes Eigennutzes. Dieser setzt voraus, daß der Arbeitende durch seineMühe dem „eigenen Nutzen" diene — trifft dies unter dem Waltender Ausbeutung zu, arbeitet der Knecht zu eigenem Nutzen? Wollteman mit Rücksicht auf die Frage des Eigennutzes einen Nachteil derwirtschaftlichen Gerechtigkeit der Knechtschaft gegenüber ableiten, somüßte man behaupten, die Arbeit gehe dann am fruchtbarsten underfolgreichsten von statten, wenn der Arbeitende nicht zu eigenem,sondern zu fremdem Nutzen produciere. Aber der Arbeitgeber produ-ciert doch zu eigenem Nutzen, wird man vielleicht einwenden. Richtig.Doch abgesehen davon, daß es hier wieder nicht der Nutzen eigener,sondern fremder Arbeit ist, was in Frage kommt; so erscheint esdoch klar, daß eine Ordnung, welche bloß einer Minderzahl Nutzenan der Arbeit einrüumt, unendlich minder wirksam sein muß, alsjene andere, von uns beabsichtigte, welche diesen Nutzen jedemArbeitenden gewährt. In Wahrheit kennt die ausbeuterische Welt