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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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ihn geradezu dem Hungertode zu überantworten, zeigte es sich allge-mach, daß es nützlicher sei, den Besiegten als Arbeitstier und nicht wiebisher, als Schlachttier zu gebrauchen. Und da dem so war, da dieSklaverei zum erstenmal die Möglichkeit bot, Überfluß und Muße zummindesten für eine bevorzugte Minderheit zu schaffen, so war sie dieerste Anregerin höherer Kultur. Kultur aber ist Macht und so kames denn, daß Sklaverei oder Knechtschaft in irgend welcher Form all-gemach den Erdball eroberten.

Daraus folgt aber mit Nichten, daß die Dauer ihrer Herrschafteine ewige sein muß oder auch nur sein kann. Gleichwie Menschen-fresserei das Ergebnis jenes geringsten Ausmaßes der Ergiebigkeit mensch-licher Arbeit gewesen, bei welchem die angestrengteste Thätigkeit ebennur zur Fristung des nackten tierischen Leben ausreichte, und der Knecht-schaft weichen mußte, sowie die erste Möglichkeit des Überflusses infolgewachsender Arbeitsergiebigkeit sich zeigte, so ist auch diese nichts anderes,als das sociale Ergebnis jenes mittleren Ausmaßes von Ergiebigkeit,bei welchem die Arbeit zwar genügt, um Einzelnen, nicht aber, um AllenÜberfluß und Muße zugleich zu gewähren, und auch sie muß eineranderen, höheren socialen Ordnung weichen, sowie dieses mittlere Maßder Ergiebigkeit überschritten ist, denn von da ab ist sie aus einer Kultur-notwendigkeit ein Kulturhindernis geworden.

Das ist seit Generationen thatsächlich geschehen. Seitdem es demMenschen gelungen ist, die Naturkräfte seiner Produktion dienstbar zumachen, seitdem er die Fähigkeit erlangt hat, an Stelle der Kraft seinerMuskeln die unbegrenzten Elementarkräfte eintreten zu lassen, hindertihn nichts, Überfluß und Muße für Alle zu erzeugen — nichts als jeneüberlebte sociale Einrichtung, die Knechtschaft nämlich, welche den Massenden Genuß dieser Güter vorenthält. Wir können nicht bloß, wir müssendie sociale Gerechtigkeit verwirklichen, weil die neue Form der Arbeitdies ebenso gebieterisch fordert, als die alten Formen der Arbeit gebie-terisch die Knechtschaft gefordert haben. Diese, einst das Werkzeug desKulturfortschrittes, ist zu einem Hindernisse der Kultur geworden, dennsie vereitelt den vollen Gebrauch der uns zu Gebote stehenden Kultur-mittel. Dadurch, daß sie die Genüsse der großen Mehrheit unsererBrüder auf ein äußerst geringes Maß beschränkt, auf ein Maß, zu dessenErfüllung der Gebrauch der modernen Produktionsbehelfe keineswegserforderlich ist, zwingt sie uns, in unserer Arbeit weit hinter jenemUmfange und hinter jener Vollkommenheit zurückzubleiben, die wir soforterreichen würden, sowie nur einmal Verwendung für die dann unver-meidliche Fülle aller Reichtümer vorhanden wäre.

Ich resümiere also: die wirtschaftliche Gleichberechtigung konnte infrüheren Kulturepochen aus dem Grunde nicht verwirklicht werden, weilmenschliche Arbeit in jenen Epochen nicht hinreichend ergiebig war, um