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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
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Überfluß für alle zu erzeugen, selbst wenn Alle unausgesetzt unter Ein-satz ihrer gesamten physischen Kraft gearbeitet, geschweige denn, wennsie sich zugleich jene Muße gegönnt hätten, die zur Entfaltung derhöheren geistigen Kräfte ebenso notwendig ist, wie der Überfluß zurZeitigung der höheren geistigen Bedürfnisse. Und da es nicht möglichwar, Allen ein vollkommen menschenwürdiges Dasein zu gewähren, soblieb es eine traurige zwar, aber darum nicht minder unerschütterlicheKnltnrnotwendigkeit, die Mehrzahl der Menschen auch in dem Wenigen,das ihr Teil gewesen wäre, zu verkürzen und mit dem, den Massenentzogenen Beutestücken eine Minderzahl auSzustatten, die solcherart zuÜberfluß und Muße gelangen konnte. Die Knechtschaft war eine Kultur-notwendigkeit, weil sie allein zum mindesten in einzelnen MenschenKnlturbedürfnisse und Kulturfähigkeiten zur Entfaltung zu bringen ver-mochte, während ohne sie Barbarei das Los Aller gewesen wäre.

Falsch ist übrigens die Meinung, als ob die Knechtschaft so altwäre, als das Menschengeschlecht; sie ist nur so alt, als die menschlicheKultur. Es gab einst eine Zeit, in der sie unbekannt war, in der eskeine Herren und Knechte gab und niemand die Arbeit seiner Neben-menschen auszubeuteu vermochte; nur war das nicht das goldene, son-dern das barbarische Zeitalter unserer Rasse. So lange der Menschdie Kunst noch nicht erlernt hatte, die Dinge, deren er bedurfte, zu er-zeugen, sondern sich damit begnügen mußte, die freiwilligen Gaben derNatur zu sammeln, zu erjagen; so lange daher jeder Mitkonkurrent alsFeind angesehen wurde, der nach demselben Gute trachtete, welches jederEinzelne als die ihm bestimmte Beute ansah; so lange richtete sich derDaseinskampf unter den Menschen notwendigerweise auf gegenseitige Ver-nichtung, statt auf Unterjochung und Ausbeutung. Es nützt dem Stär-keren, Schlaueren noch nichts, die Schwächeren zu unterjochen; der Kon-kurrent im Daseinskämpfe muß getötet werden, und da der Kampf vonHaß und Aberglauben begleitet ist, so gelangt man bald dahin, den Ge-töteten auch zu fressen. Ausrottungskrieg Aller gegen Alle, gefolgt inder Regel von Kannibalismus, war daher der Urzustand unseres überdas erste Stadium rein tierischer Bedürfnislosigkeit und Unschuld hiuaus-gedieheuen Geschlechts.

Überwunden aber wurde diese erste sociale Ordnung nicht durchmoralische oder philosophische Erwägungen, sondern durch einen Wandelim Wesen der Arbeit. Der Mann, welcher zuerst auf den Gedankengeriet, ein Samenkorn in die Erde zu legen, es zu pflegen und Früchteherauzuziehen, war der Erlöser der Menschheit aus der niedrigsten,blutigsten Stufe der Barbarei, denn er schuf die erste Produktion, dieKunst, Nahrungsmittel nicht bloß zu sammeln, sondern zu erzeugen;und als diese Kunst sich in dem Maße verbessert hatte, daß es möglichwurde, dem Arbeitenden einen Teil seines Ertrages zu entziehen, ohne