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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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sie — um mit Christus zu reden — schwerer als ein Schiffstau durchsNadelöhr, ins Himmelreich eingehen könnten. Hier ist ein Gegensatz,dessen Überbrückung mir schwer möglich erscheint. Wir halten dasElend, Christus den Reichtum für die Quelle des Lasters, der Sünde;unsere Gleichheit ist die des Reichtums, die seinige die der Armut; dasbitte ich fürs erste festzuhalten.

Znm zweiten aber hat ja Christus — trotz des, wie man zugebenwird, viel bescheideneren Zieles, welches er sich steckte, dasselbe nichterreicht. Ist sohin die Berufung auf diesen erhabensten aller Geister,statt uns in Verfolgung unserer Ziele zu stärken, nicht vielmehr geeignet,uns zu entmutigen?

Emilio Lerma (Freiland). Die Verbindung, in welche der Vor-redner die von Christus gepriesene und geforderte Armut mit dem —angeblichen — Mißlingen seines Befreiungswerkes gebracht hat, ist eineverfehlte. Nicht trotzdem, sondern weil Christus die Gleichheit aufGrundlage der Armut Herstellen wollte, ist dies fürs erste mißlungen-Die Gleichheit der Armut läßt sich nicht Herstellen, denn sie wäre gleich-bedeutend mit Stillstand der Kultur; wohl aber ist es nicht bloß mög-lich, sondern notwendig, die Gleichheit des Reichtums ins Werk zusetzen — sowie die Voraussetzungen dafür vorhanden sind — weil diesmit Fortschritt der Kultur gleichbedeutend ist. Allerdings — so wer-den Sie sagen — so verhält es sich nach unserer Auffassung; nachderjenigen Christi aber ist der Reichtum ein Übel. Sehr wahr. Nurkann uns bei unbefangenem Eingehen in die Sache unmöglich entgehen,daß Christus den Reichtum nur verwarf, weil er seine Quellein der Ausbeutung hatte. Nichts im ganzen Laufe des Lebens Jesudeutet darauf hin, daß er jener finstere Ascet gewesen, der er hättesein müssen, wenn er den Reichtum als solchen für sündhaft gehaltenhätte; zahllose Stellen der Evangelien legen unzweideutiges Zeugnisfür das Gegenteil ab. Christi Bedürfnisse waren allerdings einfach;aber er genoß stets mit Behagen, was ihm etwaiger Reichtum seinerAnhänger bot und sah nirgend ein Übles darin, vom Leben sovielanzunehmeu, als sich mit der Gerechtigkeit verträgt. Auch der Haß,mit welchem ihn die Reichen Jerusalems verfolgten, änderte diese seineAnschauung nicht, wie denn überhaupt das oft citierte Verdammungs-urteil gegen die Reichen etwas geradezu verletzendes, dem Geiste derEvangelien zuwiderlanfendes hat, wenn wir es außer Zusammenhanghalten mit dem „Wehe, wer sich mästet vom Schweiße seinesBruders". Im Reichtum verdammt Christus bloß dessen Quelle; nurweil Reichtum anders, als durch Ausnützung des Schweißes der Brüdernicht erworben werden konnte, deshalb und nur deshalb allein war ihmdas Himmelreich verschlossen. Kein Zweifel, daß Christus gleich unssich mit dem Reichtume versöhnt hätte, wäre damals schon Reichtum