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dings ziemlich lange gedauert, aber wie der Vorredner richtig bemerkte,geschlafen hat der Gedanke der Freiheit nicht.
Erich Holm (Rechte). Ich glaube, es läßt sich gegen den Nach-weis, daß der Gedanke der wirtschaftlichen Gerechtigkeit in seiner All-gemeinheit schon Jahrtausende alt ist und niemals vollständig entschlief,nichts stichhaltiges sagen. Aber es fragt sich, ob denn dieser allgemeineGleichberechtigungs- und Freiheitsgedanke mit jenem besonderen, an dessenVerwirklichung wir jetzt schreiten, viel des Gemeinsamen hat, nichtvielleicht in manchen Stücken das Gegenteil desselben besagt; und zumzweiten muß nun erst recht Bedenken erregen, daß dieser, wie wir gehörthaben, 2'/z Jahrtausende alte Gedanke bisher noch nie und nirgendverwirklicht werden konnte.
Ersteres anlangend muß ich zugeben, daß Christus — im Gegen-sätze zu Buddha — die Gleichheit nicht transcendent und metaphysisch,sondern sehr materiell und buchstäblich verstanden hat. Er pries zwarauch die Armen an Geist selig, aber unter den Reichen, die ihm zufolgeschwerer ins Himmelreich eingehen sollen, als ein Schiffsseil aus Kameel-haaren durch ein Nadelöhr, verstand er ganz gewiß nicht die Reichenim Geiste, sondern die an irdischen Gütern Reichen. Auch ist es richtig,daß er sagte, „mein Reich ist nicht von dieser Welt" und dem Kaisergeben hieß, was des Kaisers sei; allein, wer diese Stellen nicht ausdem Zusammenhänge reißt, kann unmöglich übersehen, daß er damitlediglich jede Einmischung in die politischen Angelegenheiten ablehnt,nicht um politischer, sondern um moralischer Zwecke, um der ewigeuWahrheit willen, der socialen Gerechtigkeit zum Siege verhelfen will.Ob Rom oder Israel herrscht, ist ihm gleichgiltig, wenn nur Gerechtig-keit geübt wird; doch daß er diese nicht erst im Jenseits, sondern schonhienieden geübt wissen will, kann nur fromme Beschränktheit leugnen.Aber ist das, was Christus unter Gerechtigkeit versteht, wirklich das-selbe, was wir darunter meinen? Zwar das von ihm gleich anderenjüdischen Lehrern verkündete „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst"wäre eine sinnlose Phrase, wenn es nicht wirtschaftliche Gleichberech-tigung zur Voraussetzung hätte. Den Menschen, den man ausbeutet,liebt man wie sein Haustier, nicht aber wie sich selbst; wahrhaft„christliche Nächstenliebe" in einer ausbeuterischen Gesellschaft ver-langen, wäre einfach albern, und was dabei herauskommen kann, habenwir bisher sattsam erfahren. Im übrigen nimmt uns ja die Schrifthierüber den letzten Rest von Zweifel, denn sie verdammt ausdrück-lich, sich vom Schweiße des Nächsten zu mästen, d. h. ihn auszu-beuten. Insoweit also wären wir mit Christus vollkommen einesStrebens. Aber er verdammt ebenso ausdrücklich den Reichtum, preistdie Armut, während wir den Reichtum zum Gemeingute Aller machen,also alle unsere Mitmenschen in einen Zustand versetzen wollen, in dem