Freiheitsgedanken bloß fälschlich von Jenen unterschoben wurde, diedurch fremde Ansprüche im eigenen Genüsse nicht gestört zu werdenwünschten.
Ja, ich bin überzeugt, daß auch unsere kräftigeren, nach dem Westenausgewanderten Verwandten den Freiheits- und Gleichheitsgedanken nichthätten verwerten können, wenn wir — die indische Welt — ihnen den-selben unverändert, wie wir ihn schufen, übergeben hätten. Denn auchihnen steckte, als sie nach Europa kamen und noch ein Jahrtausendspäter, das Kastengefühl im Blute; daß alle Menschen gleich, wirklichschon hier auf Erden gleich seien, wäre dem germanischen Edeling so-wohl, als dem germanischen Knechte ebenso unfaßbar geblieben, als esdem indischen Paria oder Sudra und dem Brahmanen oder Ksatrijaunfaßbar geblieben ist. Dieser Gedanke mußte zuerst von dem strengdemokratisch gesinnten kleinen semitischen Volksstamme an den Ufern desJordan in feste, fürderhin nicht mehr zu verdunkelnde Formen gebrachtund von der freien nüchternen Forschung Roms und Griechenlands ingrelle — wenn auch vorläufig ablehnende — Untersuchung gezogenwerden, ehe er, zu rein arischen Volksstämmen verpflanzt, Früchte zutragen vermochte. Nahmen doch die bekehrten germanischen Könige dasChristentum ganz ersichtlich nur an, weil sie es für ein passendes Werk-zeug der Herrschaft hielten. Was die neue Lehre den Knechten etwasagen mochte, war ihnen vorerst gleichgiltig, denn der Knecht, der inscheuer Ehrfurcht zu den „Abkömmlingen der Äsen", seinen Herren,emporsah, erschien für alle Ewigkeit ungefährlich; gegen wen es sich zuwappnen galt, das waren die Mitherren, die Großen und Edlen, diebisher nur durch den Zufall der Macht, nicht dem Wesen nach, von denKönigen verschieden waren. Das Herrenrecht kam — nach arischer An-schauung — von Gott, sehr wohl; aber das des kleinsten Edeln in dernämlichen Weise, wie das des Königs; sie alle stammten von denGöttern ab. In Christus nun fanden die Könige den einen oberstenHerrn, der ihnen, ausschließlich ihnen, die Macht verliehen hatte; aber-mals besaßen sie eine göttliche Quelle des Herrenrechts, aber für sichallein und deshalb erzählt uns die Geschichte überall, daß die Königegegen den — oft verzweifelten — Widerstand der Großen das Christen-tum einführten, nirgend, daß die Großen ohne, oder gar gegen denWillen der Könige sich bekehrt hätten. Die Volksmassen, die Knechte —wo werden diese jemals überhaupt gefragt? Sie haben zu thun und zuglauben, was die Herren für gut finden — und sie thun es ausnahms-los ohne den geringsten Widerstand, lassen sich gleich den Schafen her-denweise zur Taufe ins Wasser treiben und glauben nunmehr auf Be-fehl, daß alle Macht von einem Gotte komme, der sie einem Herrnverliehen. Denn der arische Knecht ist eine willenlose Sache, die zu eigenemDenken erst erzogen werden muß. Dieses Erziehungswerk hat nun aller-