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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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seiner Edelsten zu sein, und gleichwie Niemand anders als die AthenerSokrates tötete, so hat auch Niemand anders als die Juden Christusgetötet; der Römer war nur das Werkzeug des jüdischen Hasses, dochwohlverstanden des Hasses der um ihre Besitztümer zitternden Reichenunter den damaligen Juden, die den „Verführer des Volkes" demStatthalter denunzierten. Ja, es ist auch durchaus glaubhaft, daßdieser letztere sich nicht bereitwillig zeigte, auf die Wünsche der ge-ängstigten Denunzianten einzugehen, denn er, der Römer, der imniemals erschütterten Glauben an seine starre Eigentumsordnung Aus-gewachsene, verstand die Bedeutung und Tragweite der socialen LehreChristi gar nicht. Er hielt ihn — die Evangelien lassen darüber kaumeinen Zweifel und es wäre im Grunde genommen anders auch schwerzu begreifen — für einen harmlosen Schwärmer, den man mit einpaar Rutenstreichen laufen lassen könnte. Generationen mußten vergehen,bis die römische Welt erkennen lernte, was die Lehre Christi eigentlichzu bedeuten habe — dann aber fiel sie auch mit einer Wut sondergleichen über ihre Anhänger her, kreuzigte sie, warf sie den Bestienvor, kurz that alles, was Rom niemals gegen abweichende Religionen,stets aber gegen die Feinde seiner Rechts- und Eigentumsordnnng that.Anders die Herrschenden in Juda; diese begriffen Sinn und Tragweiteder christlichen Propaganda sofort, denn im Pentateuch wie in denLehren der früheren Propheten hatten sie längst schon die Keime diesersocialen Forderungen kennen gelernt. Das Jubeljahr, welches neuerlicheGrundverteilung nach je 49 Jahren forderte, die Bestimmung, daßalle Knechte im siebenten Jahre freizulassen sein, was waren sieanderes, als die Vorläufer der von Christus verlangten allgemeinenGleichheit. Ob all diese in den heiligen Schriften des alten Judaniedergelegten socialen Gedanken jemals zu praktischer Durchführunggelangt waren, ist mehr als zweifelhaft, aber bekannt und geläufigwaren sie längst jedem Juden, und als Christus daher den Versuchmachte, sie ins praktische Leben einzuführen, als er in gewaltigen, hin-reißenden Reden Wehe über den Reichen rief, der sich vom Schweißeseines Bruders mäste, da erkannten die Mächtigen in Jerusalem sofortdie ihren Interessen drohende Gefahr, welche ihren nicht jüdischenStandesgenossen erst viel später klar wurde. Es unterliegt auch nichtdem geringsten Zweifel, daß sie dem römischen Statthalter gegenüberaus der wahren Beschaffenheit ihrer Besorgnisse kein Hehl machten,denn nicht als Sektierer, als Aufwiegler wurde Christus hingerichtet.

Dem Volke aber konnte ebenso selbstverständlich nicht gesagt werden,daß man den Tod Christi fordere, weil er die in den heiligen Büchernniedergelegte und von den Propheten oft genug geforderte Gleichheitpraktisch verwirklichen wolle; diesem mußte das Märlein von denreligiösen Ketzereien des Nazareners aufgetischt werden, welches Märleiu