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sagen — Revolutionäre, wenn auch friedliche, er ist ein Religionsstifter.Lassen wir die Religion; ich glaube, es kann zu nichts führen, sich inFragen des Mein und Dein auf das Christentum zu berufen.
Lionel-Acosta (Centrum). Ich bin diesfalls durchaus andererMeinung als mein geehrter Herr Vorredner und schließe mich dem Kol-legen aus Nordamerika an. Die Lehre Christi ist die reinste, edelste,wenn auch über Mittel und Ziele noch nicht klar bewußte Verkündigungder socialen Freiheit, die bisher gehört worden ist, und diese Verkün-digung der solialen Befreiung, nicht religiöse Neuerungen, find der In-halt der „guten Botschaft" (Evangeliun); Christus für einen Religions-stifter statt für einen socialen Reformator auszugeben, eine Lehre, dieim Fluge die Herzen der unterdrückten Massen gewonnen, weil sieihnen Abhülfe ihrer Leiden versprach, zu einem Einschläferungsmittelihrer erwachenden Energie zn gebrauchen, war das Meisterstück derVerknechtnngskunst. Christus hat sich mit Religion gar nicht beschäftigt,keine Zeile des neuen Testaments enthält auch nur eine Spur davon, daßer an den alten religiösen Satzungen seines Landes rüttelte; der frömmste,eifrigste Jude kann seinen Kindern unbedenklich die Evangelien zn lesengeben, sie werden nichts darin finden, was ihr religiöses Gefühl ver-letzt. (Eine Stimme: Warum wurde dann Christus ans Kreuz ge-schlagen?) Man fragt mich, warum Christus von den Juden gekreuzigtwurde, wenn er nichts gegen das mosaische Gesetz unternommen hatte.Ja mordet man denn bloß aus religiösen Gründen? Christus wurdezum Tode geschleift, weil er ein socialer, nicht weil er ein reli-giöser Neuerer war, und nicht die Frommen, sondern die Mächtigenunter den Juden haben seinen Tod gefordert. Darüber auch nur einWort zu verlieren, ist in den Augen all jener durchaus überflüssig,welche die weltbewegenden Begebenheiten jener traurigsten und dochzugleich glorreichsten Tage Israels, in denen der edelste seiner Söhneden freiwillig gesuchten Märtyrertod fand, unbefangen betrachten.Zunächst ist es eine wohlbeglaubigte geschichtliche Thatsache, daß imJudäa der damaligen Zeit für religiöse Sektirerei ebenso wenig aufTod erkannt wurde, wie etwa im Europa des letzten Jahrhunderts.Zum zweiten spricht die Art der Hinrichtung, das den Juden ganzunbekannte Kreuz, dafür, daß Christus nach römischem, nicht nachjüdischem Recht gerichtet wurde; die Römer, dieses in religiöser Beziehungtoleranteste aller Völker, hätten aber erst recht wegen religiöserNeuerungen Niemand zn Tode gebracht; sie hätten die Hinrichtungkeineswegs geduldet, geschweige denn selber das Urteil gesprochen undin ihrer Art vollzogen; das Kreuz aber war bei ihnen die Strafeaufrührerischer Sklaven oder ihrer Verführer.
Ich sage das nicht, um die Verantwortung für Christi Tod vonJuda abzuwälzen; es ist jedes Volkes trauriges Privilegium, der Henker