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von London, Paris und Rom letztere Zusage Freilands nicht recht ernst,trotzdem ihre Gesandten, insbesondere mein Vater, redlich das ihre thaten,ihnen mehr Vertrauen in die Wehrhaftigkeit Freilands einzuflößen; dieeuropäischen Mächte waren nicht abgeneigt, die von Freiland als Be-dingung eines Bündnisses geforderte Anerkennung des freiländischenRechts für die Kolonien am roten und indischen Meere zuzugestehen,beharrten aber trotzdem auf der Forderung nach Abschluß einer Militär-konvention, worauf jedoch Freiland nicht eingehen wollte. So standendie Sachen bis in die letzten Tage.
Am Morgen nach meiner Verlobung saßen wir eben beim Früh-stück, als für meinen Vater eine chiffrierte Depesche aus Ungama —dem großen Hafenplatze Freilands am indischen Ocean — eintraf, nachderen Entzifferung derselbe, von seiner gewohnten diplomatischen Ruhegänzlich im Stiche gelassen, totenbleich aufsprang und Papa Ney bat,sofort eine Sitzung der sämtlichen Chefs der freiländischen Centralver-waltnng einzuberufen; er habe eine Mitteilung von entscheidender Be-deutung zu machen. Den teilnamsvollen Schrecken unserer Freunde be-merkend, erklärte mein Vater: „Geheimnis kann die Sache ohnehin nichtbleiben, so erfahret denn aus meinem Munde die Unglücksbotschaft.Die mir von Commodore Cialdini, dem Kapitän eines unserer inMassaua stationiert gewesenen Panzerschiffe zugekommene Depesche lautet:„Ungama, den 21. August 8 Uhr Morgens. Bin soeben mit Panzer-fregatte Erebus und zwei Avisodampfern — einem eigenen und einemfranzösischen — schwerbeschädigt und flüchtig aus Massaua hier einge-troffen. Johannes von Abyssinien hat vorgestern Nachts unter Bruchdes bestehenden Friedens Massaua verräterisch überfallen und fast ohneSchwertstreich eingenommen. Unsere im Hafen liegenden und ebensodie englischen und französischen Schiffe, 17 an der Zahl, wurdengleichfalls überrumpelt und genommen, nur mir und den zwei Avisosgelang es, zu entkommen. Die kleineren Küstenfestungen, an denenwir vorbeikamen, sind auch sämtlich in den Händen der Abyssinier.Da uns der Cours nach Aden durch mehrere uns verfolgende feind-liche Dampfer abgeschnitten wurde und der Erebus kampfunfähig ist,suchten wir Zuflucht in Ungama, um unsere Havarien auszubessern.Finden uns hier die Abyssinier, so sprenge ich unsere Schiffe indie Luft."
Das war in der That eine üble Botschaft, nicht bloß für dieVerbündeten, sondern auch für Freilaud, denn sie bedeutete Krieg mitAbyssinien, den man hier zu vermeiden gehofft hatte. Zwar war man— wie gesagt — von Anbeginn gefaßt darauf gewesen, den europäischenMächten als präsumtiven Bundesbrüdern, Ruhe vor Abyssinien zu ver-schaffen, aber man hatte sich — im Vertrauen auf die hohe Achtung,deren Freiland bei allen Nachbarvölkern genoß — mit der Erwartung
Hertz ko, „Freiland". 16