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Tochter für seinen Sohn, den Prinzen Carlo Falieri bat, hinzufügend,daß er sofort nach vollzogener Heirat die Güter in der Romagna, imToskanischen und Venetianischeu, sowie die Paläste in Rom, Florenz,Mailand, Verona und Venedig an mich übergeben und sich bloß unseresicilianischen Besitzungen — als „Altenteil", wie er scherzend meinte —Vorbehalten werde. Die alten Neys nahmen diese grandiosen Zusagenmit einer nichts Gutes verkündenden eisigen Zurückhaltung entgegen;nach minutenlangem Schweigen und nachdem er auf Gattin und Tochtereinen langen, prüfenden, auf mich einen vorwurfsvollen Blick geworfen,erklärte Herr Ney: „Wir Freiländer sind nicht die Tyrannen, bloß dieBerater unserer Töchter; in diesem Falle aber bedarf unser Kind desRates nicht; wenn Bertha Ihnen als Fürstin Falieri nach Italien folgenwill, wir werden es ihr nicht verwehren."
Hochaufgerichtet, einem erzürnten Cherub vergleichbar, wandte sichnun Bertha an meinen Vater: „Niemals! Niemals!" rief sie mit zucken-den Lippen. „Mehr als mein Leben liebe ich Ihren Sohn; ich werdesterben, wenn er, um Ihnen zu gehorchen, mir entsagt; aber Freilandverlassen, als Fürstin verlassen? Niemals! Niemals! Lieber tausendmalden Tod!"
„Aber unseliges Kind," entgegnete ganz entsetzt über diesen uner-warteten Erfolg seines Antrages mein Vater, „Sie sprechen ja das Wort.Fürstin' aus, als wäre es für Sie der Inbegriff des Schrecklichen.Jawohl, Fürstin sollen Sie werden, eine der reichsten, stolzesten Für-stinnen Europas, d. h. Sie sollen fürderhin keinen Wunsch haben, denzu erfüllen nicht Tausende wetteifern würden; Sie sollen Gelegenheitund Macht erlangen, Tausende zu beglücken; Millionen werden Siebeneiden"
„und verfluchen und hassen" — unterbrach ihn bebend vor Er-regung Bertha. „Wie, sechs Wochen leben Sie unter uns und begreifennicht, was eine freie Tochter Freilands empfinden muß bei dem An-sinnen, diese glücklichen Gefilde, die Heimstätte der Gerechtigkeit und derMenschenliebe zu verlassen, um fern in Ihrem traurigen Vaterlande —nicht etwa die Thränen Unterdrückter zu stillen, sondern zu erpressen,nicht etwa die Scheußlichkeiten Ihrer Sklaverei zu bekämpfen, sondernsie selber zu üben? Ich liebe Carlo so über alle Maßen, daß ich bereitwäre, an seiner Seite dies Land des Glückes mit dem des Elends zuvertauschen, wenn irgend eine unlösliche Pflicht ihn dahin riefe; abernur unter der Bedingung, daß seine und meine Hand frei bliebe vonfremdem Gute, daß wir in ehrlicher Arbeit selber verdienten, was wirzum Leben brauchen; aber Fürstin soll ich werden, Fürstin! Tau-sende von Knechten sollen das Mark ihrer Knochen hergeben, damitich im Überfluß schwelge, tausende von Flüchen zu Tode gequälterMenschen sollen haften an der Speise, die ich genieße, an der Kleidung,