21. Kapilrl.
Edenthal, den 20. August.
Du schreibst in Deinem Letzten, es komme Dir nicht ganz geheuervor, daß in meinen Briefen so gar keine Rede mehr von den jungenDamen sei, mit denen ich seit nunmehr sechs Wochen unter einem Dacheweile. Wenn ein junger Mann — so argumentiert Deine unerbittlicheLogik — von schönen Mädchen, mit denen er verkehrt, darunter eines,dessen erster Anblick ihn — eigenem Geständnis zufolge — „geradezuverwirrt" habe, nichts zu erzählen wisse, so habe er sich entweder einenKorb von der bewußten Einen geholt, oder sei im Begriffe, es daraufankommen zu lassen. Die Logik hat Recht, Luigi; ich bin verliebt,d. h. ich war es vom ersten Blicke an, und zwar in Bertha, meinesDavid herrliches Schwesterlein, und auch mit dem Korbe hätte es umein Kleines seine Richtigkeit gehabt. Nicht, daß die Geliebte meineGefühle unerwidert gelassen hätte; Bertha gestand mir mit jenerunbefangenen Offenheit, die ihr — richtiger, die allen Freiländerinnen— so entzückend steht, beim ersten Anlässe, wo ich mir zu einemGeständnisse den Mut faßte, daß auch sie mich sofort in ihr Herz ge-schlossen, daß sie noch am ersten Abend unseres Beisammenseins gewußt,mir oder niemand werde sie als Gattin angehören — und trotzdembekam ich auf meine Werbung zunächst ein „Nein" zu hören, das anEntschiedenheit nichts zu wünschen übrig ließ. Bertha vermochte sichnämlich nicht zu entschließen, Herzogin zu werden, und mein Vater,der— höre und staune— den Brautwerber für mich machte, hatte vonihr als etwas selbstverständliches gefordert, sie solle mir nach Italienauf unsere dortigen fürstlichen Besitzungen folgen, das Herzogsdiadem inihre Locken — sie sind von einem entzückenden Blond — flechten undim Vereine mit mir die Fortpflanzung des erlauchten Geschlechts der