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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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zu Rate gehen und gelangte dabei zu dem Ergebnisse, daß es ersprieß-licher für ihn sei, ein tüchtiger Fabrikwerkführer, als ein mittelmäßigerLehrer oder Beamter zu werden. Und er konnte diesem Ratschlagestrenger — vielleicht allzustrenger — Selbstprüfung Folge geben, ohnesich gesellschaftlich zu schaden, denn in Freiland schändet Handarbeitwirklich nicht, zum Unterschiede von Europa und Amerika, wo dieszwar auch behauptet wird, jedoch lediglich eine der vielen konventionellenLügen ist, mit denen wir uns selber hinters Licht zu führen versuchen.Arbeit ist bei uns — trotz aller demokratischen Redensarten — ganzim Allgemeinen eine Schande, denn der Arbeitende ist ein hörigerMann, ein ausgebeuteter Knecht, er hat einen Herrn über sich, der ihnkommandiert, für sich ausnützt gleich dem arbeitenden Tiere — keineMoraltheorie der Welt wird die Ehre des Knechtes der des Herrngleichsetzen. Hier aber ist das anders. Um dies voll zu ermessen,brauchst Du bloß einmal gesellige Vereinigungen in Freiland besuchtzu haben. Zwar liegt es in der Natur der Sache, daß Personen desgleichen Jnteressenkreises sich zunächst aufsuchen und anziehen, doch darfdies beileibe nicht so aufgefaßt werden, als ob damit auch nur im ent-ferntesten eine Sonderung verschiedener Gesellschaftsschichten nach Berufenverbunden wäre. Das allgemeine Bildungsniveau ist ein so hohes, dasInteresse an den erhabensten Problemen der Menschheit auch unter denHandarbeitern so verbreitet, daß Gelehrte, Künstler, hohe Beamte diemannigfaltigsten geistigen und gemütlichen Berührungspunkte auch mitFabrik- oder Feldarbeitern finden.

Dies ist umsomehr der Fall, als eigentlich eine Scheidung vonKopf- und Handarbeitern sich hierzulande gar nicht streng durchführenläßt. Der Handarbeiter von heute kann morgen durch die Wahl seinerGenossen Betriebsleiter, also Kopfarbeiter werden, und umgekehrt gibtes unter den Handarbeitern ungezählte Tausende, die ursprünglich einenanderen Beruf gewählt und die für diesen erforderlichen höheren Studienbeendet hatten, dann aber - sei es, weil ihre geistigen Fähig-keiten sich als nicht vollkommen ausreichend erwiesen, sei es, weil ihreGeschmacksrichtung wechselte — die Feder mit dem Werkzeug ver-tauschten. So hat z. B. ein anderer Hausfreund der Familie Neysein mehrere Jahre hindurch zu allgemeiner Zufriedenheit verwaltetesAmt als Arzt niedergelegt und sich der Gärtnerei gewidmet, weil erfand, daß dieser Beruf ihn weniger von seinem Lieblingsstudium,der Astronomie abziehe, als die ärztliche Thätigkeit. Um sich alsAstronom zu ernähren, dazu reichten seine Kenntnisse und Fähigkeitennicht aus, und da ihm einigemal widerfahren war, von interessantenBeobachtungen zu plötzlich des Nachts erkrankten Kindern abberufen zuwerden, so zog er es vor, seinen Haushalt durch den Ertrag vonGartenarbeit zu decken und des Nachts ungestört seinen lieben Sternen