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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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nachzuspüren. Ein anderer Mann, den ich hier kennen gelernt, ver-tauschste seine Carrisre als Beamter der Centralbank mit der Maschinen-schlosserei, lediglich weil ihm auf die Dauer die sitzende Thätigkeit nichtbehagte; er wäre wiederholt schon von den Mitgliedern seiner Gesellschaftin die Oberleitung gewählt worden, lehnte aber stets ab, da seine Ab-neigung gegen Bureauarbeiten noch immer nicht überwunden ist. Ins-besondere aber ist die Zahl derjenigen sehr groß, die abwechselnd irgend-welche Handarbeit mit Kopfarbeit verbinden. So allgemein verbreitet istin Freiland die Abneigung gegen ausschließliche Kopfarbeit, daß sichdie sämtlichen höheren Berufe und die öffentlichen Ämter darauf ein-richten mußten, ihren Angehörigen zeitweilig körperliche Berufsthätig-keit zu gestatten. Die Buchhalter und Korrespondenten der Gesellschaftensowohl als der Centralbank, die Lehrer, Beamten und sonstigen Ange-stellten welcher Art immer, haben das Recht, außer den der Erholunggegönnten zweimonatlichen Ferien auch noch beliebigen Urlaub vonlängerer oder kürzerer Dauer zu verlangen und die Zeit desselben durchanderweitige Erwerbsthätigkeit auszufüllen. Natürlich wird diese außer-ordentliche Urlaubszeit vom Gehalte in Abzug gebracht, was jedochdie weitaus größere Hälfte der Bureauarbeiter nicht hindert, inZwischenpausen von zwei bis drei Jahren je einige Monate hindurchals Fabrikarbeiter, Bergleute, Landbauer, Gärtner u. dergl. sich vomEinerlei ihrer gewohnten Berufsthätigkeit zu erholen. Ein mir bekannterAbteilungschef der Centralverwaltung arbeitet jedes zweite Jahr achtWochen lang in einer anderen Mine des Aberdare- oder Baringo-Distrikts; er hat — wie er mir erzählte — bis jetzt den Kohlen-,Eisen-, Zinn-, Kupfer- und Schwefelbau praktisch durchgenommen undfreut sich jetzt auf den bevorstehenden Kursus in den Salzwerken vonElmeteita.

Angesichts dieser allgemeinen und durchgängigen wechselseitigenDurchdringung von gewöhnlichster körperlicher und höchster geistigerThätigkeit kann selbstverständlich von irgendwelchen Standes- oderKlassenunterschieden nirgend die Rede sein. Die hiesigen Ackerbauersind gerade so geachtete, selbstbewußte Gentlemen, wie die Gelehrten,Künstler oder Beamten, und nichts steht dem im Wege, sie im Salonals gute Kameraden zu behandeln, sofern die Charaktere und dieGeistesrichtungen übereinstimmen.

Insbesondere aber sind die Frauen — anderwärts die hauptsäch-lichen Vertreterinnen aristokratischer Absonderung — hierzulande För-derinnen vollständiger Verschmelzung aller Bevölkerungsschichten. Diefreiländische Frau steht beinahe ausnahmslos auf einer sehr hohenStufe ethischer und geistiger Bildung. Losgelöst von jeglicher mate-riellen Sorge und Arbeit, ist es ihr alleiniger Beruf, sich zu veredeln,ihr Verständnis für alles Gute und Erhabene zu schärfen. Da sie sich