Länge von 17 Kilometern 1200 Meter unter der Wasserscheide, undalles in allem haben wir in diesem neuen Projekte nicht weniger als132 Kilometer Tunnelbauten. Dieselben sind übrigens durchaus nichts ^
ganz neues; auch in Frankreich giebt es — wie sie wissen — einige, '
wenn auch sehr kurze Wassertunnels; wir besitzen deren schon in ;unserem alten Kanalsysteme mehrere ganz ansehnliche, nur können sie >sich allerdings weder an Längenentwicklung noch an Mächtigkeit mit 'diesen neuen vergleichen, auf denen große Oceanfahrer — mit zurück- 'gelegten Masten natürlich — durch die Eingeweide ganzer Gebirgszügehindurchdampsen werden. Das kostet Riesensummen, aber bedenken Siedoch, daß jede Stunde Zeitgewinn eines freiländischen Matrosen heuteschon ihre 8 Schilling wert ist und von Jahr zu Jahr an Wertgewinnt."
„Unbegreiflich aber bleibt mir trotz alledem die Raschheit, ich möchtefast sagen die Nonchalance, mit welcher diese Milliarde Ihnen votiertwurde, als handle es sich um die nächstbeste Kleinigkeit", meinte meinVater. „Ich will der Ehrenhaftigkeit sämtlicher Mitglieder Ihres Fach- IParlamentes für öffentliche Bauten beileibe nicht nahe treten; aber ver-schweigen kann ich nicht, daß mir die ganze Versammlung den Eindruckmachte, als verspräche sie sich den größten persönlichen Vorteil aus dermöglichst raschen und großartigen Durchführung des Werkes."
„Dieser Eindruck war auch ganz der richtige," gab Herr Ney zurAntwort. „Doch bitte ich hinzuzufügen, daß jeder Bewohner Freilandsgenau den nämlichen persönlichen Gewinn aus der Verwirklichung diesesKanalprojekts ziehen muß und wird. Nur weil dem so ist, weil beiuns jene Solidarität der Interessen Wahrheit ist, von welcher manaußerhalb Freilands bloß fälschlich spricht, nur deshalb können wir so un-geheure Summen für jede Anlage ausgeben, von welcher nachzuweisenist, daß ihr Nutzen den Kostenaufwand überragt. Wird bei Ihnen einKanal gebaut, der die Ertragsfähigkeit weiter Landstrecken erhöht, sopredigt ihre Schulökonomie zwar auch, daß er den Wohlstand Aller be-fördere; richtig ist dies aber nur für die Besitzer der betreffendenGrundstücke, während den großen Massen der Bevölkerung solch ein Kanalnicht das geringste nützt, den Besitzern anderer, konkurrierender Grund-stücke vielleicht geradezu schadet. Die Ermäßigung der Getreidepreise —so behaupten Ihre Staatswirte — komme den nichtbesitzenden Massenzu gute; sie vergessen dabei die Kleinigkeit, daß der ,Arbeitslohn'sich auf die Dauer nicht zu behaupten pflegt, wenn die Getreidepreisesinken. Dem steht allerdings als Trost auf der andren Seite gegen-über, daß die nichtbesitzenden Massen auch durch die Abgabenerhöhung,welche solche öffentliche Bauten herbeiführen, nicht dauernd ge-schädigt werden können: denn wer nicht mehr Lohn bezieht, als zurLebeusfristung notwendig ist, dem kann auf die Dauer auch nicht viel