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Du vielleicht zugeben, daß eine Truppe, die aus solchen, oder doch an-nähernd solchen Schützen bestünde, keine europäische Armee zu fürchtenbrauchte/'
„Wie wollt Ihr Euch aber gegen die Kanonen europäischer Armeenverteidigen?" fragte ich.
„Ei, eben auch durch Kanonen", entgegnete David. „Da wir mineinmal mit diesen Einrichtungen den Doppelzweck verfolgen, den Eiferfür körperliche Ausbildung zu fördern nnd zugleich Sicherheit gegenfeindliche Angriffe zu erlangen, so nehmen unter unseren Schießübungenauch solche mit Kanonen des verschiedensten Kalibers einen aus-gedehnten Platz ein. Und zwar geschieht auch das schon von derSchule aus. Von der vierten Mittelklasse an werden jene Knaben,die sich auf den anderen Gebieten hervorgethan haben, zu Geschütz-übungen herangezogen. Daß Du diese Geschütze nicht zu Gesichtbekamst, hat seinen Grund darin, daß der Schießplatz für dieselbenweit außerhalb des Bannkreises der Stadt liegt, was um so not-wendiger ist, als sich nnter diesen Übungskanonen Ungetüme bis zu200 Tonnen Gewicht befinden, deren Donner nur schlecht zur idil-lischen Ruhe unseres Edenthals passen würde. Die Jünglinge aberwerden mit diesem artigen Spielzeug so vertraut und zahlreichebringen es nach eingehenderen ballistischen Studien zu so großerVollendung in Handhabung desselben, daß sie sich meines Erachtensauch auf diesem Gebiete europäischen Gegnern ebenso überlegen erweisenwürden, wie auf demjenigen des Schützenwesens. Genau dasselbegilt von unseren Reitern. Kurzum, wir haben keine Armee, aberunsere Jünglinge und Männer handhaben alle Waffen, deren eineArmee bedarf, unendlich vollkommener, als die Soldaten welcherArmee immer, und da überdies zu Zwecken der großen Preisspieleauch eine Organisation geschaffen ist, kraft deren von den 2'^ Mil-lionen waffengeübter Jünglinge und Männer, welche Freiland zurStunde besitzt, die gewandtesten und tüchtigsten 2—300000 jederzeitverfügbar sind, so meinen wir, daß es uns ein Leichtes wäre,die größte Jnvasionsarmee abzuwehren — eine Gefahr, die wirjedoch im Ernste keineswegs besorgen, denn wir bezweifeln, daßirgend ein europäisches Volk dazu zu haben wäre, uns anzugreifen.Gegen uns gesammelte Gewehre uud Kanonen dürften sich, auch ohnedaß wir etwas dazu thun, sehr rasch gegen diejenigen kehren, die Feind-seliges gegen uns sinnen."
Dem stimmte ich zu. Wir besprachen hierauf noch einige andereGegenstände der Jugenderziehung, bei welcher Gelegenheit die Redeauf das freiländische Erbrecht kam.
„Dürfte ich Dich fragen, wie Ihr es mit dem Erbrecht im allge-meinen und dem Erbrecht an liegendem Besitz im besonderen haltet.
Hertzka, „Freiland". 13