Druckschrift 
Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

Wir sind im vorigen Abschnitte bis zur Eröffnung der erstenSchienenverbindung mit dem indischen Ozean auf der einen Seite undbis zu dem Feldzuge gegen Uganda und der damit beginnenden Be-siedelung der Uferlandschaften des Ukerewe anderseits gelangt. DieAufmerksamkeit unserer Forscher war von da ab zunächst auf das hoch-interessante Gebirgsland nördlich und nordwestlich vom Baringosee ge-richtet, wo insbesondere das Gebiet des nahezu 4300 Meter hohen,an der Grenze Ugandas gelegenen Elgon ihren Eifer nach mehr alseiner Richtung herausforderte. Hier war ersichtlich ein großes, denKenia- und Aberdarebergen an Fruchtbarkeit, klimatischen Vorzügen undlandschaftlicher Schönheit ebenbürtiges Feld zukünftiger Besiedelungvorhanden. Die Aussicht vom Gipfel des Elgon übertraf sogar, wasMannigfaltigkeit der gebotenen Eindrücke anlangt, alles bisher Gesehene;im Südosten reichte der Blick bis zu der meerartig sich in unabsehbarerFerne verlierenden Fläche des Ukerewe; im Norden ragten, 65 Kilo-meter entfernt, die mit ewigem Schnee bedeckten Gipfel des Lekakiseragen Himmel; im Osten streifte das Auge über mächtige Waldgebirge,während im Westen sich endlos das lachende Hügelland vonUganda erstreckte.

Doch unaufhaltsam weiter drangen unsere Pioniere; Platz warzwar noch in Überfluß an den alten Wohnsitzen vorhanden; aber derForschungstrieb in Verbindung mit dem Zauber der Neuheit, der dieferner liegenden Landschaften umgab, lockte stets neue Scharen tieferund tiefer hinein in den „dunklen Erdteil". Nachdem die Ufer desUkerewe nichts Unbekanntes mehr boten, drangen unsere Pfadfinder indie Urwaldungen der Zwischenseegebirge gegen den Muta-Nzige undAlbertsee. Hier stießen wir zum ersten Mal auf menschenfressendeStämme, deren Bändigung keine geringe Arbeit bot und auch keines-wegs ganz ohne Blutvergießen abging. Am Albert-Njanza angelangt,dessen Ostufer meist kahl und unwirtlich sind, erblickte mau von jenseitsverführerisch die Mondberge, deren höchste, 4000 Meter überragendeGipfel in der kühlen Jahreszeit häufig eine Schneedecke zeigen undvon deren malerisch gegen den See abfallenden Hängen zahlreiche Ka-tarakte von ganz unglaublicher Fallhöhe und gewaltigem Wasserreichtumzur Tiefe stürzen, angenehme Rückschlüsse auf die Beschaffenheit ihrerQuellgebiete gestattend. Selbstverständlich blieben sie nicht lange un-besucht und der Ruf der neuen Wunder großartiger Naturpracht, diedort gefunden wurden, lenkte bald den Schritt vieler Hunderttausendedahin. Auch dort gab es Kämpfe mit antropophagen Stämmen, diezum Teil heute noch ihren schlimmen Gewohnheiten im Geheimen fröhnen-Von hier aus wandten sich die Pioniere mehr südwärts, überall dieGebirgszüge als Heerstraße benutzend. Vor sechs Jahren langten unsereersten Vorposten am Tanganika an, wo sie mit Vorliebe die sich imWesten erhebenden Höhenzüge wählten, welche stellenweise den 900