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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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Meter über dem Meere gelegenen Seespiegel um l 500 Meter über-ragen; jetzt sitzen schon Hunderttausende in den lieblichen Uferland-schaften dieses wenn auch nur zweitgrößten, so doch weitaus längstender Äquatorialseen. Der Tanganika hat nicht ganz den halben Flächen-inhalt des Ukerewe, er ist nirgend so breit, daß ein gutes Auge nichtdie jenseitigen Nferberge zu sehen vermöchte; seine Länge aber beträgt580 Kilometer, also ziemlich genau drei Vierteile derjenigen des adria-tischen Meeres, und der schnellste von den 286 Dampfern, die ihn der-zeit für unsere Rechnung befahren,' braucht nahezu 24 Stunden, umvon seinem Nordende zum Südende zu gelangen.

Jetzt war aber auch die Zeit gekommen, wo wir mehr und mehrmit europäischen, resp. unter europäischem Einfluß stehenden Kolonienin unmittelbare Berührung gerieten. Im Süden und Osten stießenwir ans deutsche und englische Interessensphären, im Nordosten teilsdirekt, teils indirekt auf französische und italienische, im Norden aufägyptische, im Westen auf den mächtig aufstrebenden Kongostaat. Dabeiwaren die sich ergebenden Wechselbeziehungen zwar überall von denbesten, entgegenkommendsten Absichten geleitet, es tauchte aber doch eineMenge von Fragen auf, die nachgerade dringend einer endgültigenLösung bedurften. Für die benachbarten Kolonien stellte sich nämlichder Übelstand heraus, daß sie nirgend die unmittelbare Nähe freilän-discher Ansiedelungen auf die Dauer zu ertragen vermochtenihre Be-völkerung wurde von uns angezogen, wie Eisenfeilstäbchen durch einenMagnet; wo sich eine freilündische Association in der Nähe ansiedelte,blieb von fremden Kolonien binnen kürzester Frist nichts übrig, als dieverödeten Wohnstätten, die verlassenen Plantagen; die Kolonisten warenzu uns übertreten und Freiländer geworden. Dagegen konnten diefremden Regierungen nichts thun, wollten es wohl auch nicht, da dochdas Interesse ihrer Unterthanen dabei wahrlich nicht schlecht fuhr; abermit Rücksicht auf die Machtstellung ihrer betreffenden Länder mußteihnen diese Unmöglichkeit, sich in unserer Nähe zu behaupten, unbequemwerden und sie zum Nachdenken anregen.

Doch auch wir mußten die Frage in Erwägung ziehen, was denngeschehen werde, wenn freiländische Ansiedler irgendwo fremdes,einem abendländischen Volke gehöriges Gebiet betreten sollten. Bisherhatten wir dies absichtlich vermieden; auf die Dauer war es jedochunvermeidlich. Was würde dann geschehen? Sollten wir, im Besitzeder stärkeren Civilisationsform, vor der zurückgebliebenen zurückweichen?Konnten wir es, selbst wenn wir wollten? Freiland ist kein Staat imgemeingebräuchlichen Sinne des Wortes; sein Wesen liegt nicht in derHerrschaft über ein bestimmtes Gebiet, sondern in seinen sozialenEinrichtungen; diese sind an sich mit fremden Regierungsformen ganzgut vereinbar, und wir mußten im Interesse friedlichen Zusammenlebens