Druckschrift 
Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

106

und unverkennbaren Behagens. Die Lebensweise blieb, was die Woh-nungs- und Kleidungsverhältnisse anlangt, noch sehr primitiv, dagegenherrschte in Speiseil und Getränken Überfluß, ja Luxus. Mit denMahlzeiten wurde es der Hauptsache nach so gehalten, wie einige Monatezuvor von den ersten Ankömmlingen; nur hatten die Frauen gar baldeine ganze Reihe neuer und sinnreicher Verwendungsarten der vielenköstlichen Landesprodukte herausgefnnden. Das Register der erreich-baren ästhetischen und geistigen Genüsse hatte vorerst keine sonderlicheBereicherung erfahren. Die Zeitung, eine von der Unterrichtsverwaltungangelegte Bibliothek, die beinahe Tag für Tag durch ueneintreffendeBücherkisten ergänzt wurde, zu Neujahr aber doch erst 18 000 Bändezählte, die dein insbesondere während der heißen Mittagsstunden sehrlebhaften Lesebedürfnisse keineswegs voll genügen konnten, mehrere neueSinge und Orchestervereine, Lese- oder Debattierzirkel und einige DutzendKlaviere — das war alles, was zu dem ursprünglich Vorhandeneil ge-kommen war. Daneben wurde in den herrlichen Wäldern fleißig gejagt,Ausflüge nach nicht allzu schwierig erreichbaren Aussichtspunkten warenau der Tagesordnung — kurz man suchte sich das Leben so angenehmals möglich zu machen, ohne jedoch einstweilen große Abwechslung indas Programm der Vergnügungen und geistigen Genüsse bringen zukönnen. Das hinderte aber nicht, daß Glück und Zu.riedcnheit in jedemHause herrschten.

Auch hinsichtlich der Arbeitseinteilung war im großen Ganzen dasursprünglich beobachtete System beibehalten worden. Die. Männerarbeiteten meist zwischen 5 und >0 Uhr morgens lind zwischen 4 und6 Uhr abends; die Frauen — im Bedarfsfälle unterstützt von Ein-geborenen — versahen inzwischen das Hans und die Kinder, sofern diesenicht in der Schule waren. Doch erachtete sich niemand gerade andiese Zeiteinteilung gebunden; jedermann arbeite wann und so langees ihm beliebte; auch hatten einige Associationen, deren Betrieb diegänzliche Unterbrechung der Arbeit während der Mittagszeit schwervertrug, einen Turnus eingeführt, der während der heißen Tagesstundendem Werke einige Hände sicherte. Da auch hierzu niemand gezwungenwerden konnte, wurde es üblich, die lästigere Mittagsarbeit höher an-zurechnen, als die zu der übrigen Tageszeit, wonach dann die erforder-lichen Freiwilligen sich fanden. Dasselbe gilt für die in einzelnenWerken notwendige Nachtarbeit.