Druckschrift 
Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

von den zufälligen Einflüssen der unmittelbaren Umgebung, seinenVerstand der Belehrung erst öffnet. Es wird sich später zeigen,

in wie hohem Maße die ausgedehnteste, lediglich durch Schrift undDruck zu vermittelnde Öffentlichkeit aller Vorgänge auf dem Ge-biete jeglicher produktiven Thätigkeit zum Gelingen unseres Werkes

beitrug.

Es versteht sich von selbst, daß diese beiden Bedingungen für auf-zunehmende Mitglieder auch bisher schon gefordert worden waren,

und zwar das zweitgenannte ursprünglich in ziemlich strengerForm. Da sich jedoch gezeigt hatte, daß der durchschnittliche Bildungs-grad der Bewerber ein überraschend hoher war, indem der Hauptsachenach von den körperlich arbeitenden Klassen sich bloß die Elite in aus-gedehnterem Maße für unser Unternehmen interessierte, und da nun-mehr, wo die Zahl der Mitglieder 20000 überschritten hatte, mit-unterlausende Unwissenheit nicht mehr so gefährlich sein konnte, sobegnügte sich der Ausschuß mit der Forderung, daß die Anmeldungeneigenhändig und schriftlich geschehen müßten.

Die Zahl der sich meldenden Mitglieder — es ist zu bemerken,daß Frauen und Kinder stets mitgerechnet sind — war in stetigemWachstums begriffen, insbesondere seit Veröffentlichung der erstenBerichte über die am Kenia angelegte Kolonie. Als der Ausschuß sichunter Hinterlassung seiner Bevollmächtigten in Triest einschiffte, hatte derMitgliederzuwachs 1200 in der Woche erreicht; drei Monate späterwar er auf 1800 wöchentlich gestiegen. Die Aufgabe der europäischenBevollmächtigten war es nun, die neuen Mitglieder — gleichwie diesvorher schon mit den alten geschehen — sorgfältig nach Geschlecht,Alter und Beruf zu verzeichnen und mit jeder Schiffsgelegenheit dieentsprechenden Listen nach Freiland zu senden; sie hatten den —nach wie vor unentgeltlich erfolgenden — Transport bis Mombas zuorganisieren und zu überwachen und waren mit Vollmacht versehen,alle zu diesem Behufe erforderlichen Ausgaben, im Bedarfsfälle auchden Ankauf neuer Schiffe, gegen nachträgliche Verrechnung und Ge-nehmigung zu bestreiten. Sache der Bevollmächtigten war es ferner, densich zur Reise rüstenden Mitgliedern mit Rat und That an die Handzu gehen; auch hatten sie die Ermächtigung, hilfsbedürftigen Genossenmateriell beizuspringen. Die Mitgliederbeiträge zeigten ähnliches Wachs-tum, wie die Mitgliederzahl; es mehrte sich eben offenbar das Interesseund Verständnis für unser Unternehmen nicht blos in den arbeitenden,sondern auch in den besitzenden Klaffen; der Wochenznfluß steigerte sichin der Zeit von Ende September bis Ende Dezember von rund20,000 ^5 auf 30,000 Über diese Gelder war, nach Bestreitungder den Delegierten eingerüumten Kredite, dem Ausschüsse die Ver-fügung Vorbehalten, dessen Vollzugsorgan übrigens auch in diesem

Hertzka, „Freilaud". 6