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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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neuen, aber einen oft bewährten: sie machte uns beide eifersüchtig.Jedem von uns erzählte sie im Vertrauen, es sei nichts mit ihrem„dummen Plane", indem der andere Teil nicht mehr frei wäre. Da siemir gegenüber schlauerweise hinzufügte, sie habe ihr Projekt bloß er-sonnen, um zugleich mit der jungen Frau in mein Haus ziehen und dieihr von rechtswegen gebührenden Mutterpflichten mir gegenüber neuer-lich übernehmen zu können, so glaubte ich ihr um dieser offenbarenWahrheit willen auch die Erfindung, daß Ellen einen Verlobren inAmerika hinterlassen, welcher demnächst schon hier eintreffen werde.„Denke Dir nur, Ellen ist mit diesem Bekenntnisse erst herausgerückt,als ich ihr gleich Dir mit meiner Heiratsidee zusetzte' Es ist nur einGlück, daß Du mein Junge, Dir nichts aus der kleinen Duckmäuserinmachst; das wäre jetzt eine schöne Bescherung, wenn Du Dir Ellen inden Kopf gesetzt hättest."

Ich erklärte mich mit dieser Wendung der Dinge höchlich zufrie-den, hatte aber daß Gefühl dabei, als ob mir ein Messer im Herzenumgewendet würde. Deutlich und klar stand jetzt plötzlich meine Liebevor meinem inneren Auge, eine glühende grenzenlose Leidenschaft, wiesie nur der empfinden kann, dessen Herz 26 Jahre lang jungfräulichgeblieben. Ich konnte hinfort — das ward mir zu unumstößlicher Ge-wißheit — noch leben und kämpfen — mich des Lebens und des Er-kämpften freuen, nimmermehr! Aber war es denn auch gewiß und un-abwendbar? Gab es denn keine Möglichkeit, diesen Verlobten, derseine Braut allen Gefahren einer abenteuerlichen Reise, allen Ver-suchungen der Schutzlosigkeit preisgab und der jetzt plötzlich hier anf-tauchen soll, um mir aus meinem Eden die Seligkeit zu rauben, gabes keine Möglichkeit, ihn aus dem Felde zu schlagen? Doch ist es über-haupt denkbar, daß Ellen, diese Ellen, wie ich sie seit Monaten kenne,einen solchen Jammermenschen lieben soll? Hm zu ihr, mir Klarheitzu verschaffen um jeden Preis!

Damit stürmte ich hinüber ins Nachbarhaus. Dort hatte in-zwischen meine Schwester ein ähnliches Märchen auch Ellen erzählt.Sie habe sich nun einmal in den Kopf gesetzt gehabt, aus uns ein Paarzu machen, und daher in der Hoffnung, daß meine Werbung ihren(Ellens) Widerstand brechen würde, auch mir von ihrem Plaue ge-sprochen, wäre, als auch ich mich weigerte, dringender geworden, undda hätte ich ihr endlich gestanden, mich hinter ihrem Rücken in Europaverlobt zu habeu; die Braut werde mit dem nächsten Einwanderzugehier eintreffen ... So weit war Klara gelangt, als mein Erscheinenihre Erzählung unterbrach.

Totenbleich wankte Ellen ans mich zu; sie wollte sprechen, dochihre Stimme versagte; erst meine halb angst-, halb zornerfüllten Fragennach dem amerikanischen Bräutigam gaben ihr die Sprache wieder.