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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
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umfassenden Gärtchens und deckte mit seinen 6 Räumen: Vorzimmer,Küche und 4 Stuben, selber eine Fläche von 150 Quadratmetern. Jedessolche Häuschen nun wurde einstweilen von Vieren der Unseren be-setzt; den beiden Frauen mit Sakemba, die inzwischen den Besuch ihrerEltern und Geschwister erhalten und diese bewogen hatte, ihre Gras-hütten gleichfalls in Edenthal aufzuschlagen, war selbstverständlich auchein besonderes Häuschen eingeränmt.

Letztere Anordnung aber gefiel meiner Schwester ganz und garnicht. Während der Reise hatte sie sich notgedrungen darein gefunden,getrennt von mir, dem ihr von unserer verewigten Mutter ans Herzgelegten Pfleglinge, zu kampieren; in Edenthal angelangt, gedachte siejedoch, ihre alten Vormundschaftsrechte und -Pflichten wieder zu bean-spruchen, sah sich aber durch die Rücksicht auf einen zweiten Schützling,der inzwischen auch zu ihrem Liebling geworden war, durch die ansEllen Fox nämlich, in der Ausführung ihrer Vorsätze gehindert. Siekonnte doch unmöglich dies junge Mädchen inmitten so vieler Männerallein lassen; ebenso wenig aber konnte sie uns beide — obwohl wirin ihren Augen die reinen Kinder waren — Thür an Thür im selbenHäuschen unterbringen. Was hätten ihre Freunde und Freundinnenin Paris dazu gesagt! Zwar brachte ich all meine freie Zeit bei denFrauen zu, wo mich, ohne daß ich es bemerkte, die aus geistreichentheoretischen Erörterungen und unbefangenem Geplauder eigenthümlichgemengte Konversation der jungen Amerikanerin nicht minder als ihrHarfenspiel und ihre glockenhelle Altstimme, stets mehr und mehrfesselten; aber das genügte Schwester Klara nicht und sie geriet schließ-lich auf den Gedanken, uns zu vcrheirathen. Schon wegen unserer ge-meinsamen „Narrheit" — unserer sozialen Ideen nämlich — paßtenwir ganz gut zu einander, nnd wenn auch — ihrer Meinung nach —außer Zweifel stand, daß in dieser Ehe gesunder, hausbackener Menschen-verstand gänzlich fehlen würde, so war ja sie dazu da, für die beidenKindsköpfe zu sorgen und zu handeln.

Nachdem sie diesen Vorsatz einmal gefaßt, legte sie sich als vor-sichtige, diskrete Person, die ganz richtig voraussah, daß in diesemPunkte weder bei mir, noch bei Miß Ellen auf unbedingten Gehorsamzu rechnen wäre, zunächst aufs Beobachten, und dabei machte sie dennungeachtet ihrer in Sachen der Liebe höchst mangelhaften eigenen Er-fahrungen, ausgerüstet bloß mit dem keinem Weibe fehlenden instinktivenFeingefühle, die überraschende Entdeckung - daß wir beiden bereits bisüber die Ohren ineinander verliebt seien. Anfangs war sie über dieseWahrnehmung so erstaunt, daß sie ihren Augen keinen Glauben schenkenwollte. Aber die Sache war zu klar, als daß eine Täuschung möglichgewesen wäre. Wir beiden Liebenden ahnten zwar selber nicht im ent-ferntesten, wie es um uns stand; aber wer Miß Fox so genau kannte,