51
angelangt aber stürzt die ganze kolossale Wassermasse, dieselbe, diewenige Kilometer weiter den Dana bildet, 500 Meter tief jäh herab,in Atome zerstäubend, zu einer Regenbogenwolke umgestaltet. Der Flußist urplötzlich in den Lüsten verschwunden, vergebens sucht dein Angedie Fortsetzung seines Laufes ans den schwarz gleißenden Klippen; erst500 Meter weiter unten sammeln sich die fallenden Nebelmassen wiederzu fließendem Wasser, um von da ab in kleineren Absätzen dumpfbrausend und grollend dem See auf gewundenen Umwegen zuzueilen.
In sprachloses Entzücken versunken standen wir lange vor diesemNaturwunder sonder gleichen, dessen unsägliche Majestät und SchönheitWorte nicht schildern können. Gierig sog das Auge die Flut von Lichtund Farbenglanz, gierig das Ohr den ans märchenhafter Höhe herab-klingenden Ton der Wässer, gierig die Brust das duftgeschwängerte Lab-sal ein, welches als Atmosphäre dieses Zauberthal durchfächelt. Zuerstfand das Weib in unserer Mitte, Ellen Fox, wieder Worte. Einerverzückten Seherin gleich hatte sie lange dem Spiel der Wässer zuge-schaut: da rief sie plötzlich, als ein stärkerer Windhauch den Nebel-schleier des Wasserfalles, der soeben noch einen schillernden, schwertähn-lich geschwungenen Streifen gebildet hatte, vollends verwehte: „Sehthin, das Flammenschwert des Erzengels, welches den Eingang zumParadiese bewacht hat, ist bei unserem Erscheinen zerstäubt; „Eden"laßt uns diesen Ort nennen!"
Daß dieses Thal — der Name Eden wurde für dasselbe einhelligangenommen — unser zukünftiger Wohnort sein müsse, stand bei uns allensofort fest. Eine nähere Untersuchung ergab, daß dessen Gesamtflächel60 Quadratkilometer betrug. Davon entfallen auf den, in Formeiner langgestreckten Ellipse unter dem Keniaabhange sich ausdehnendenSee 35, auf den die Höhen umfäumenden Wald 40 Kilometer; 95Kilometer sind offenes Parkland, welches den See bis auf einigeStellen, wo die Keniafelsen unmittelbar in ihn abfallen, rings umgiebt,im Nordosten, dem Kenia zu, in schmalen Streifen, auf den anderendrei Seiten in einer Breite von 1 bis 7 Kilometern. Der den Abflußdes Keniagletschers bildende Dana mündet am Nordwestende des Seesin diesen und verläßt ihn am Südostende. Seine Wasser, schon vorihrem Eintritt in den See nicht so kalt, als man nach ihrem Ursprüngeunmittelbar aus dem Gletscher da oben vermuten sollte, erwärmen sichhier mit merkwürdiger Raschheit; die Temperatur des Sees erreicht anheißen Tagen bis zu 24 Grad Celsius. Außer dem Dana münden inden Edensee noch mehrere Quellen, die teils den Keniaklippen, teils denAbhängen der seitlich und gegenüber gelagerten Berge entspringen. Wirzählten deren nicht weniger als elf, darunter eine heiße, deren Temperatur52 Grad Celsius betrug.
Daß wir in den vier Tagen bis zur Entdeckung von Edenthal
4 *