als in offener Feldschlacht kämpften, und so tapfer, als die Massaiseien sie lange nicht; verräterisch und grausam aber wären sie nur gegenihre Feinde und wer ihr Vertrauen einmal gewonnen habe, der könnesich so gut auf sie verlassen, als auf Angehörige irgend eines anderenVolkes. Die Andorobo zögen den Verkehr mit den Wakikuja dem mitden Massai sogar weit vor, denn sie seien friedfertiger und nicht soübermütig wie diese. Der direkte Weg an den Kenia aber führe füruns über Kiknja, während die Straße über Leikipia wegen des inweitem Bogen zu umgehenden Aberdargebirges um mindestens 6 Tage-reisen länger wäre.
Da wir keinen Grund hatten, an der Glaubhaftigkeit dieses Be-richtes zu zweifeln, dessen letzten, für uns wichtigsten Teil zudem einBlick auf die Karte vollauf bestätigte, so beschlossen wir, es jedenfallsmit Kikuja zu versuchen. Während also der größere Teil der Expeditionunter Johnstons Führung die Straße nördlich an den Naiwaschaseeweiter verfolgte, schwenkte ich mit 50 Mann und einigem Gepäck beidem Grenzorte Ngongo-a-Bagas östlich ab. Meine Absicht war, bloßSakemba, als Kennerin von Land und Volk, mitzunehmen und diezwei Damen bis zu meiner Rückkehr der Obhut Johnstons zu über-geben. Allein meine Schwester erklärte, mich um keinen Preis zuverlassen und da das Andorobomädchen nicht mir, sondern den Frauengehorchte, überdies aber versicherte, daß für diese schon ganz und garnicht an Gefahr zu denken sei, indem zwischen Massai und Wakikujaseit unvordenklicher Zeit der niemals verletzte Brauch bestehe, dieWeiber gegenseitig selbst mitten im Kriege zu respektieren, eine Ver-sicherung, die allseitig — auch von den Massai — bekräftigt wurde,so waren meine Schwester und Miß Ellen mit von der Partie.
Sowie wir die Grenze von Kikuja überschritten, nahmen uns ge-waltige schattige Wälder auf, die jedoch keineswegs „undurchdringlich"genannt werden können, vielmehr das Eigentümliche haben, daß sie ansehr zahlreichen Stellen von breiten Durchschlügen durchschnitten sind,die den Eindruck macheu, als wären sie von einem geschickten
Gärtner zur Bequemlichkeit und Erquickung Lustwandelnder angelegt.Die Breite dieser nicht eben schnurgeraden, doch in der Regel einebestimmte Richtung einhaltenden Wege schwankt zwischen einem undsechs Metern; stellenweise erweitern sich dieselben zu umfangreichenLichtungen, die mit den eigentlichen Wegen gemein haben, daßder Boden mit dem schönsten, dichtesten, kurzen Grase bedeckt ist, unddaß schattige Kühle in ihnen herrscht. Wodurch diese Durchschläge ent-standen sind, war und blieb mir rätselhaft. Seitlich von denselbengiebt es Unterholz zwischen den hochstämmigen Bäumen, stellenweise
sogar sehr dichtes, und wir konnten ganz gut bemerken, daß dunkle
Gestalten zu beiden Seiten uns folgten, jede unserer Bewegungen