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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
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Natürlich ist es nicht meine Ansicht, daß die Begründung derzukünftigen sozialen Ordnung sich gerade in jener Weise vollführenmüsse, wie in den nachfolgenden Blättern geschildert wird; nur glaubeich allerdings, daß dies der einfachste und beste, weil am raschesten undleichtesten zum Ziele führende Weg wäre. Sollen wirtschaftliche Frei-heit und Gerechtigkeit ihren Einzug in der menschlichen Gesellschafthalten, so müssen sie zuvor ernstlich gewollt werden, und es will mirscheinen, daß es leichter gelingen muß, einige Tausend in solchem Wollenzu vereinigen, als zahllose Millionen, von denen die Meisten an dasNeue — und sei es noch so einleuchtend und selbstverständlich — erstdann zu glauben pflegen, wenn es bereits Thatsache geworden ist.

Ebenso wenig kann meine Meinung dahin gehen, daß unter dervon mir gemachten Voraussetzung, daß nämlich eine genügende Zahlthatkräftiger Menschen zur Vollführung des sozialen Befreiungswerkessich fände, gerade das äquatoriale Afrika als Schauplatz des Unter-nehmens gewählt werden müßte. Ich habe mich für jene wundervollenHochlande entschieden aus Gründen, die in den nachfolgenden Blätterndargelegt werden sollen; aber der gleiche Erfolg könnte selbstredendauch in zahlreichen anderen Gebieten unseres Planeten nicht ausbleiben.Nur bitte ich den Leser, zu glauben, daß bei dieser Wahl des Schau-platzes nicht der Wunsch maßgebend war, meiner Phantasie die Zügelschießen zu lassen, daß vielmehr die im folgenden gebotenen Schilde-rungen der centralafrikanischen Alpen- und Seelandschaften in allenStücken der Wirklichkeit entsprechen.

Und zum Schlüsse noch einige Worte zur Rechtfertigung des roman-haften Beiwerks, mit welchem ich die Darstellung eines so ernstenGegenstandes ausgestattet. Ich könnte es diesbezüglich zwar bei derBerufung auf meine berühmten Vorgänger bewenden lassen, unter denenich Bacon, den klarsten, schärfsten und nüchternsten Denker aller Zeiten,bereits genannt habe; allein ich halte mich zu dem ausdrücklichen Ein-geständnisse verpflichtet, daß mich dabei eine doppelte Absicht leitete:Erstlich hoffte ich durch möglichst lebensvolle und anschauliche Gestal-tungen das Verständnis jener zum Teil höchst schwierigen Fragen, derenLösung das eigentliche Thema des Buches ist, einem weitaus größerenLeserkreise zugänglich zu machen, als bei trocken systematisierender Be-handlungsweise zu erwarten gewesen wäre; zum zweiten wollte ichgerade durch diese konkrete Form, die ich einem Teile meiner Abstrak-tionen gab, der Kritik den bequemen Ausweg abschneiden, dieselben fürln tllssi zwar richtig, in xnaxi aber nichtsdestoweniger unanwendbarzu erklären. Ob mir beides gelungen ist, kann allerdings erst die Er-fahrung lehren.

Wien, im Oktober 1889.

Theodor Hrrtzka.