sähen sich ergebenden wirtschaftlichen Konsequenzen begangen, anfänglichmeiner Beachtung gänzlich. Daß Grundrente nnd Unternehmergewinn,d. i. die Abgabe, die der Grundeigentümer für die Benützung des Bodensverlangt, und das Anrecht des sog. Arbeitgebers auf den Arbeitsertrag,mit dem ausschließlichen Anrechte des Arbeitenden auf diesen Ertragseiner eigenen Arbeit unverträglich seien und daß sie folglich im Wegedes sozialen Entwicklungsprozesses überwunden und beseitigt werdenmüßten, das hatte ich begriffen; mit Bezug auf den Kapitalzins aberbeharrte ich auf der klassisch-orthodoxen Ansicht, daß derselbe ein alleEntwickelungsphasen überdauerndes Postulat des Kultnrfortschrittes sei.
Zur Entschuldigung meines Irrtums darf ich wohl geltend machen,daß es gerade die Kapitalgegner — unter diesen in erster Reihe Marx— waren, die mich in demselben bestärkten, richtiger gesagt, die michverhinderten, das Wesen und die eigentliche Natur des Kapitalzinsesvon Grund aus zu begreifen. Sich von altgewohnten Vorstellungenloszureißen, ist an sich unendlich schwer und wenn nun noch dazukommt, daß diejenigen, welche diese alten Vorstellungen bekämpfen, mitihren Angriffen Punkt fiir Punkt Unrecht haben, so geschieht nur zuleicht, daß man die Schwäche des Angriffs mit der Unangreifbarkeit derfraglichen Dinge verwechselt. Und so erging es mir. Weil ich einsah,daß alles, was bisher gegen Kapital und Kapitalzins gesagt wurde,durchaus falsch sei, so hielt ich mich der Notwendigkeit überhoben, noch-mals und selbständig zu untersuchen, ob es keine besseren, wahrhafterenArgumente gegen die absolute und dauernde Notwendigkeit des Zinsesgebe. Da nun in Wirklichkeit der Kapitalzins mit frei vergesellschaf-teter und auf den Prinzipien vollkommener wirtschaftlicher Gerechtigkeiteingerichteter Arbeit ebensowenig verträglich ist, als Grundrente undUnternehmergewinn, so konnte es mir infolge dieses fundamentalen Irr-tums auch nicht gelingen, über Beschaffenheit und Wesen der auf demPrinzipe der freien Vergesellschaftung basierten zukünftigen Organisations-formen befriedigende Vorstellungen zu erlangen. Daß und warumwirtschaftliche Freiheit und Gerechtigkeit sich dereinst verwirklichenmüssen, hatte ich gezeigt; wie sich dieser Entwicklungsprozeß vollziehenwerde, vermochte ich mir dagegen nicht völlig klar zu machen. DiesesUnvermögen schrieb ich jedoch nicht einem von mir begangenen Gedanken-fehler zu, glaubte selbes vielmehr als im Wesen der Sache gelegen an-sehen zu dürfen. Institutionen, deren praktische Gestaltung Sache derZukunft sei, könnten — so meinte ich — einstweilen noch gar nichtvollkommen erkannt werden. Gleichwie jene früheren Generationen,welche die moderne Kapitalassociation noch nicht kannten, unmöglich eingenaues und vollständiges Bild über Wesen und Wirken dieser Einrich-tung besitzen konnten, selbst wenn sie das Prinzip, welches in ihr zumAusdruck gelangt, begriffen hätten, so sei es — das war meine Ansicht