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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
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zu gewähren. Mit dem Momente jedoch, wo die Ergiebigkeit derArbeit jenes Ausmaß erreicht, welches zur Befriedigung auch der höchstenKulturbedürfnisse jedes Arbeitenden hinreicht, hört die Ausbeutung desMenschen durch den Menschen nicht bloß auf, eine Kulturnotwendigkeitzu sein, sie wird vielmehr dadurch zu einem Hemmnis ferneren Fort-schritts, daß sie die Menschen hindert, von den erlangten wirtschaftlichenFähigkeiten vollen Gebrauch zu machen.

Denn da unter ihrem Walten die Massen kein Anrecht auf denErtrag der Produktion haben, sondern bloß ihren Lebensunterhalt zn-gemessen erhalten, so sind dem Bedarf enge, vom Ausmaße des mög-lichen Prodnktionsertrages unabhängige Grenzen gesteckt. Dinge aber,nach denen kein Bedarf vorhanden ist, sind wertlos, werden daher nichterzeugt und die ausbeuterische Gesellschaft produziert sohin nicht jeneReichtümer, zu deren Hervorbringung sie der Fortschritt von Wissenschaftund Technik befähigen würde, sondern bloß jene unendlich geringeren,deren sie zu Zwecken des Lebensunterhaltes der Massen und der Luxus-bedürfnisse der wenigen Besitzenden bedarf. Den ganzen Überschuß derProdnktivkraft will sie zur Hervorbringung von Arbeitsinstrumentenbenutzen, d. h. in Kapital umsetzen, was jedoch unmöglich ist, da dieMenge der verwendbaren Kapitalien durchaus abhängt von der Mengeder mit Hilfe dieser Kapitalien zu erzeugenden Genußmittel. Die Ver-wendbarkeit aller Erträge noch so hochergiebiger Arbeit ist also an dasEntstehen einer neuen sozialen Ordnung geknüpft, die jedem Arbeitendenden Genuß des vollen Ertrages der eigenen Arbeit sichert. Und daunbefangene Untersuchung des ferneren zeigt, daß diese neue Ordnung,gleichwie sie die unerläßliche Voraussetzung ferneren Kulturfortschrittesist, sich auch durchaus in Einklang mit den natürlichen und erworbenenEigenarten der menschlichen Gesellschaft befindet, ihr also keinerlei wieimmer geartetes, dauernd im Wesen der Sache begründetes Hindernisentgegensteht, so ist damit erwiesen, daß dieselbe im natürlichen Ent-wicklungsprozesse der Menschheit notwendigerweise zum Durchbruch ge-langen muß.

Als ich vor vier Jahren mit dieser Erkenntnis vor die Öffentlich-keit trat, ging ich, als von etwas Selbstverständlichem, von der Ansichtans, damit keineswegs eine in sich abgeschlossene, durchwegs ausge-arbeitete neue Doktrin geboten zu haben, und ich sprach dies auch inder Vorrede zu den „Gesetzen der sozialen Entwicklung" unumwundenans. Ich begriff vollkommen, daß es von dem Lehrgebäude der sog.klassischen Ökonomie zu den neueutdeckten Wahrheiten irgend eine ver-bindende Brücke geben müsse, und war auch fest überzeugt, daß es miroder anderen in nicht zu ferner Zukunft gelingen werde, diese vorerstnoch fehlenden Bindeglieder zu finden. Dagegen entging ein positiverIrrtum, den ich bei der Darlegung der aus obigen allgemeinen Grund-