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Freiland : ein soziales Zukunftsbild
Entstehung
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— auch unmöglich, heute schon den Zusammenhang jener zukünftigenWirtschaftsformen voll und ganz zu durchblicken, die sich infolge deszum Durchbruche gelangenden Prinzips der freien Vergesellschaftung vonArbeit erst noch herausbilden müßten.

Doch auch den bereits erwähnten Zusammenhang der von mir ge-fundenen sozialen Entwicklungslehre mit dem Lehrgebäude der orthodoxenÖkonomie vermochte ich lange nicht zu entdecken. Die scharfsinnigstenGeister dreier Jahrhunderte haben an diesem Lehrgebäude gearbeitet,und wenn nun eine von der ihrigen abweichende neue Doktrin sichGeltung verschaffen wollte, so war es — das unterlag keinem Zweifel

— durchaus notwendig, daß sie sich nicht begnüge, jene zu widerlegen,ihre Jrrtümer aufzudecken; sie hatte auch den eigentümlichen Gedanken-prozeß bis auf seine letzte Quelle zu verfolgen und zu enthüllen, derdiese Heroen unserer Wissenschaft zu ihren Jrrtümern verleitete; es galtnicht bloß zu zeigen, daß und warum ihre Thesen falsch seien, es mußteauch klargemacht werden, wie und warum sie zu den falschen Thesengelangten, was sie — bei all ihrem Scharfsinn — zwang, dieselben fürrichtig zu halten, trotzdem sie im Lichte der Wahrheit betrachtet, schlecht-hin absurd sind. Vergeblich grübelte ich über dieses Rätsel, bis Plötzlichgleich einem blendenden Sonnenstrahle in das Dunkel meiner Zweifeldie Erkenntnis fiel, daß mein Werk seinem Wesen nach nichts anderessei, als das Ergebnis dessen, was Jene geschaffen, daß die von mirgefundene Theorie keineswegs außer Zusammenhang mit den mannig-faltigen Theorien der Vorgänger stehe, vielmehr, wenn man den innerstenKern der Sache erfaßt habe, jene selbe Wahrheit sei, nach welcher jeneallesamt suchten und ans deren Spur mich — was ich für das Ent-scheidende halte — mit nichten eigener Scharfsinn, sondern eben nurdie Gedankenarbeit der großen Vorgänger geleitet. Mit andern Wortengesagt: Die von mir gefundene Lösung des sozialen Problemsbietet unter einem die von der Wissenschaft der National-ökonomie seit ihrer ersten Entstehung bis zum heutigen Tageunablässig gesuchte Lösung des wirtschaftlichen Problems.

Doch — so höre ich fragen — besitzt denn die Nationalökonomiesolch ein Problem und zwar eines, dessen Lösung von ihr bloß ange-strebt, nicht aber vollbracht worden wäre? Denn merkwürdigerweisemachen sich in unserer Wissenschaft vollständigste Zerfahrenheit undglaubenssicherste Orthodoxie dicht nebeneinander breit. Die Wenigstenziehen aus der Thatsache der einander resultatlos bekämpfenden zahl-losen Lehrmeinungeu die selbstverständliche Schlußfolgerung, daß dieseallesamt falsch oder doch zum mindesten unbewiesen seien, und niemandwird so leicht zugeben, sich — gleich den Gegnern — bloß auf derSuche nach Wahrheit, nicht aber in deren Besitz zu befinden. Soallgemein verbreitet ist diese „Gesinnungstüchtigkeit/' die den Glauben