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Richard Wagner und die deutsche Sage
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daß kaum noch die Fahne von der höchsten Thnrmspitze sichtbarwar. Dahinter wallte und flackerte unhörbar und unheimlich einezüngelnde Lohe, die das Schloß und den Garten in seltsamer Gluthbeleuchtete. Im Hofe aber standen die stattlichen Rosse regungslos,und die scheckigen Rüden lagen in tiefem Schlafe; es saßen dieTauben auf dem Dache und hatten ihre Köpfchen unter die Flügelgebeugt, es hingen selbst die Fliegen wie todt an der Wand,und in der Küche stak am Bratenwender der Braten über nichtflackerndem Feuer, ohne zu brutzeln; die Magd saß eingenicktvor dem halbgernpften Huhn, und daneben stand der Koch, dierechte Hand weit ausholend zum Schlage gegen den unachtsamenKüchenjungen, doch wie versteinert vom plötzlichen Zaubersteht er da, wir sehen im Geiste mit dem ängstlichen Knabendie Strafe drohen, erwartungsvoll, ja peinlich gespannt,doch die Rechte fällt nicht, wie ein gefrorener Blitz hängtdie Strafe in der Luft, ewig schwebt das Damoklesschwertüber dem armen Jungen. Und das dauert so schon hundertJahre. Und wem gehört das Schloß und was bedeutet derZauber?

Wer kennt nicht das sinnige Volksmärchen vom Dormröschen, wer nicht die Sage von der Walküre Brunhilde, die derGöttervater Wodan wegen ihres Ungehorsams mit dem Schlafdorn in tödtlichen Schlummer versenkte? Nur ein furchtloserHeld konnte die verzauberte Maid erwecken, ein Held, der kühndie Dornenhecke durchdrang oder verwegen durch die Waberlohesprang. Schon viele edle Jünglinge hatten es dem sinnige»Volksmärchen gemäß versucht, das Dickicht zu durchdringen, siewaren aber elend in den Dornen umgekommen. Noch harrtedie Jungfrau ihres berufenen Erretters. Endlich schlug die Erlösungsstunde, ein mnthiger Kämpe bahnte sich unverdrossenden Weg, sein Roß setzte über die züngelnde Flamme, einDonnerschlag erkrachte, dröhnend sprang das Schloßthor auf, -

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