Mitleidig und vorwurfsvoll zugleich ruhen die großen,leuchtenden Augen des Schwesterpaarcs auf dem weißen Gaste,der, wie sie meinen, gegen sich und seinen Gott gefrevelt, undbald sieht er sich so fürsorglich gepflegt und gehegt, mit Talgund Oel betupft und unermüdlich bedient, als sei er vonSamariterarmen geradenwegs vom Schlachtfelde aufgelesen; undals die Nacht gekommen und die Erzählungen am Herdfeuerschweigen, da weiß die sorgende Hand das Lager nicht weichund warm genug zu bereiten. So entfaltet sich da oben aufder Sierra Nevada das eigenthümliche Bild, daß die Töchterdes Südens den Sohn des Nordens mit sorgender Hand gegenFrost und Kälte zn schützen suchen. Als aber Held Telösphoroauch für seine zitternden Glieder das Mitleid wachznrnfensucht, fliegen gar spitze Pfeile des Spottes gegen ihn ab, vordenen er sich ebenfalls nur durch eiligen Rückzug zu decken weiß,wie da oben vor den scharfen Streicheil des Berggespenstes.
Noch einige Tage währt der Aufenthalt in der gastlichenHütte auf der Hochalp der Sierra; kühne, anstrengende und oftwaghalsige, doch vielfach belohnte Streifereien sind es, die datäglich nach allen Seiten hin unternommen werden; bald führendie Wege durch versteckte Moorwiesen, bald über schroffe Gefälle unddurch wild verwachsene Schluchten, bald wieder über die menschen-leere, stimmungvolle Savannenheide. Die feuchten Niederschlägeund eiskalten Rinnsale, welche die Erdnarbe dnrchsickern, er-wecken unter dem heißen Strahl der mittäglichen Sonne nochmannigfaltige Pflanzenkeime; in das schwammartig mit Feuchtig-keit durchtrünkte Moos-, Flechten- und Farrnkrautpolster, welchesdie nackten Gesteinwünde umkleidet, siedeln sich die Luftwurzlerein, und in den dichten Filz des durcheinandergewirrten grünenGewebes setzt sich der Humus fest, darüber wucherude Rhizome-uud Knolleugebilde ihre Brutlager ausbreiten; hoch in die rauhenSpaltenrisse steil abstürzender, grauer Felsmauern gräbt auch
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