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Geschichte des Grimmschen Wörterbuchs
Entstehung
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Ernst zwingt uns die Noth zmn Borgen. Wissen wir Ger-manisten uns doch keinen erschöpfenden deutschen Namen zugeben.

Hat es bisher den Schein gehabt, als wollte ich der Ein-mischung des Fremden das Wort reden, so ist doch gerade dasGegentheil meine Absicht; ich wollte nur nicht das Kind mitdem Bade ausschütten. Was ich eben vertheidigt habe, ist sosehr in der Natur der Sache begründet, daß der steifleinenePurismus, der sich manchmal aufrichten will, immer wieder zuBoden fällt. Aber gefährlich im höchsten Grade ist der Miß-brauch, der in unserer Zeit alles Maß übersteigt; ich kann michnicht stark genug dagegen ausdrücken. Alle Thore sperrt manauf, um die ausländischen Geschöpfe heerdenweise einzutreiben.Das Korn unserer edlen Sprache liegt in Spreu und Wnst: werdie Schaufel hätte, um es über die Tenne zu werfen! Wie ofthabe ich ein wohlgebildetes Gesicht, ja die geistreichsten Zügevon solchen Blattern entstellt gesehen. Oeffnet man das ersteBuch, ich sage nicht ein schlechtes, so schwirrt das Ungezieferzahllos vor unfern Augen. Da liest man von „Amplifikationen.Kollektionen, Konstruktionen, Publikationen und Manipulationen,"da ist die Rede von „Divergenz, Reticenz, Omnipotenz, Kohärenz,Tendenz und Tendenzprozessen", von „Lokalisirung", von „noblerNatur" und „prolifiquer Behandlung", von „sozialen Konglo-meraten", oder von „futilem Raisonnement", die Verhältnissesollen nicht zart, sie müssen „delikat" sein; wir werden nichtdavon bewegt, sondern „affizirt". — Das Leben versumpftnicht, es „stagnirt". Ungleichartig versteht niemand, aber gewiß„heterogen"; das Jahrzehnt nimmt an Gewicht zu, wenn es„Decennium" heißt. Das alles ist auf wenigen Blättern zufinden, und immer bot die Muttersprache das natürlichste, ein-dringlichste Wort. Und gar, wenn Dürftigkeit des Geistesdahinter steckt! Die arme Seele borgt von den Philosophen ein

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