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Goethe - und noch immer kein Ende! : kritische Würdigung der Lehre Goethes von der Metamorphose der Pflanzen
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Zunächst ist aber noch die Zwischenfrage aufzuwerfen, obdenn nicht auch in jenem Sinne alle Seitengebilde als Um-bildungen und zwar reelle Umbildungen desselben ur-sprünglichen Organs zu bezeichnen sind, wenn man sich auf denStandpunkt der Descendenztheorie begiebt. Ich glaube dies auszwei Gründen bestreiten zu müssen: einem allgemeinen undeinem besonderen.

Der allgemeine Grund ist der folgende. Es ist wohl nichtzu bezweifeln, daß die Lehre von der Metamorphose der Pflanzenvom descendenztheoretischen Standpunkt aus eine gewisse wahreBerechtigung hat/- denn die vergleichende Betrachtung der ver-schiedenen Pflanzenklassen zeigt uns die Homologie der Staub-fäden oder Filamente und der Hüllen und Wände der Karpellemit den sporangientragenden Blättern der Ligulaten (Selaginellenund Jsoöten). Aber auch auf descendenztheoretischem Bodenist die Bedeutung der Metamorphosenlehre nicht zu überschätzen.Denn wie schon die Erkenntniß auch ist, zu wissen, ans welchemGebilde z. B. ein Staubgefäß im Laufe der Generationen durchMetamorphose hervorgegangen ist, und wie durchsichtig undverständlich uns dadurch auch der Zusammenhang der Pflanzen-geschlechter wird: noch mehr als die Vergangenheit und dasHerkommen interessiren uns die gegenwärtigen Verhältnisse.Da läßt es sich denn nicht leugnen, daß ein Gebilde durch all-mähliche Metamorphose, indem es andere Funktionen übernimmtund eine andere Gestalt erhält, so modisizirt werden kann, daßman es schlechterdings nicht mehr nach seinem einstigen Her-kommen benennen und wissenschaftlich klassifiziren kann, sondernnach seiner jetzigen Beschaffenheit an der Pflanze. (Wie seltsamwürde es sich um ein Beispiel aus dem menschlichen Lebenhier heranznziehen etwa ausnehmen, wenn der Nachkommeeines geistig bedeutenden Geschlechtes, der zum Wegelagerergeworden ist, noch Ansprüche auf den Titel, den Ruhm und die

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