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Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
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ventionelle Poesie des vorigen Jahrhunderts nicht mehr befriedigt;allein die von einem neuen Geiste beseelten Dichter der Ueber-gangszeit waren zu zahm gewesen, um eine vollständige Wendunghervorzubringen. Byron bot imChilde Harold" nicht nurein durchaus modernes Werk vou gauz anderem Schlage alsalles Bisherige; sondern dasselbe war auch dazu angethau,sowohl durch Schönheiten Hinzureißen, als selbst durch die Zu-thateu zu bestechen, welche wir jetzt als fehlerhaft erkennen.Starker Ausdruck der Subjektivität wird stets die Menge ge-winnen, der jede Aufregung der Nerven erwünscht ist, zumalwenn ein Auflehneu gegen das Hergebrachte hinzutritt. Durchjenes Werk wurde der Leser aus der Heimath nach fernenpoetischen Landen geführt, indem der Dichter seine eigenen Ein-drücke mit der Gluth des Südens zu schildern wußte. Weiler oft an Rhetorik streifte, ja geradezu in Deklamation überging,also durch etwas Unechtes in seiner Poesie, erzielte er eine be-deutende Wirkung. Zündend war seine Begeisterung für dieSache der Freiheit, und indem er allerlei angriff, dessen An-sehen nur auf herkömmlichen Vorurtheilen beruhte, sprach er fürlängst nur unbestimmt Gefühltes das entscheidende Wort aus.Besonderen Reiz aber hatte es für das Volk, daß gerade einsolcher Dichter der Aristokratie angehörte. Dazu kam noch eineAnziehung ganz anderer Art; es gelang Byron, sich durch den zurSchau getragenen Weltschmerz, zu dem er übrigens damals nochwenig Grund hatte, interessant zu machen. Der Weltschmerzwar seine Erfindung und er wurde ein Modeartikel.

Die Gesellschaft jener Tage war nicht ganz so schamloswie die am Hofe Karls II., aber sittlich stand sie nicht höher.Ich kann mir gar nicht denken, daß Byrons Verhältnis; zuLady Caroline Lamb platonisch geblieben sei. Den Verlockungender aristokratischen Sirenen sollte er entrissen werden durch Vcr-heirathung, wie es gewöhnlich heißt, mit einer reichen Erbin,