DIB DAUER DER PSYCHISCHEN ACTE. 293
3. Ein allgemeines Gesetz lässt sich aus den mit-getheilten Untersuchungen, wenigstens jetzt, nicht ahleiten,wir wollen uns deshalb begnügen, kurz die Hauptergebnissezusammenzufassen.
1. Ein psychischer Act hat wie jede andere Er-scheinung, eine bestimmte, schwankende und messbareDauer. Allerdings herrschte, besonders seit Kant, dieAnnahme, dass die inneren Erscheinungen durch ihrenAblauf in der Zeit ausgezeichnet wären, aber infolgedieser unbestimmten Fassung konnte man den Gedankennoch in einer Art mystischen Region lassen, wo er in Be-zug auf seine Dauer unnahbar blieb.
2. Ein psychischer Act hat keine absolute Dauer,sondern diese schwankt nach den äusseren Bedingungen(den Reizen), und nach den inneren Bedingungen, nament-lich der Spannung der Aufmerksamkeit, nach der Uebung,der Gewohnheit u. s. w.
3. Die physiologische Zeit schwankt unter den ein-fachsten Bedingungen zwischen Vs” und i h” ')•
4. Alle Umstände, welche den psychischen Act zuerschweren geeignet sind, erhöhen seine Dauer.
5. Die Dauer des einfachsten intellectuellen Acteskann auf 0,03" geschätzt werden.
6. Die Ordnung der inneren Erscheinungen ent-spricht nicht immer der der äusseren. Eine objective
Ü Bür die optischen Reize 0,19; für Tast- und Hörreize 0,15.Bügen wir der Vollständigkeit halber noch hinzu, dass nach denUntersuchungen von Vintscligau und Hönigschmied (Pflü-ger’s Archiv Bd. X u. XIV) die Reactionsdauer für die Ge-schmacksempfindungen zwischen 0,15 u. 0,23 Secunden schwankt.Sie ist verschieden je nach den gereizten Punkten der Zunge undnach der Art der schmeckenden Substanzen: salzige, süsse, saure,bittere, würden eine Reihe von abnehmender Geschwindigkeitbilden,