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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
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DIE DAUER DER PSYCHISCHEN ACTE. 277

sclieinung annehmen lässt, ist die vorbereitende Spannungder Aufmerksamkeit, welche jede Verlangsamung derPerception und der Reaction verhindert. Aber wie kanndie Zeit = 0 werden? Wir müssen beachten, dass inden vorliegenden Experimenten jeder Grund zur Unent-schiedenheit ausgeschaltet ist, so dass man sucht, seineReactionsbewegung genau mit dem wahrgenommenenEindrücke zusammenfallen zu lassen; und das trittnamentlich nach mehrfacher Wiederholung der Versucheauch wirklich ein. In manchen Fällen ist die Aufmerk-samkeit so lebhaft, dass der Eindruck früher percipirtwerden muss, als er in Wirklichkeit statthat; und da dieSpannung ihren höchsten Grad erreicht hat, so folgt dieReaction der Perception unmittelbar 1 ).

Exner bemerkt, dass bei diesen so schnellen

J ) In jüngster Zeit hat Obersteiner von Neuem Unter-suchungen angestellt, welche den Einfluss der Aufmerksamkeitzum Gegenstände haben.

Nachdem er bei einer Person das für einen gegebenen psychi-schen Act nötliige Minimum festgestellt hat, untersucht er, unterwelchen Bedingungen eine Verzögerung eintritt und weist nach,dass diese im umgekehrten Verliältniss zur Spannung der Auf-merksamkeit steht. Aus seinen Versuchen geht hervor, dass dieVerzögerung bei gebildeten Menschen eine geringere ist, als beiungebildeten, für die Männer geringer als für die Frauen. DieReaction, welche bei einer Person im normalen Zustande nach0,133" stattfindet, steigt bei Ermüdung und Schläfrigkeit auf0,183", bei Kopfweh auf 0,171". — Andere Versuche desselbenVerfassers scliliessen sich den im Texte angedeuteten an. Derneue Theil seiner Arbeit besteht in der Untersuchung von Geistes-kranken. Im ersten Stadium der Paralyse findet er als Mittel auszwölf Versuchen 0,166"; zur Zeit, wo die Versuche sich überhauptnoch anstellen lassen, 0,281" bis 0,755". Bei einem an Grössen-wahnsinn leidenden Manne ging die Schwankung von einemMinimum von 0,115", zu einem Maximum von 0,340". Die merk-liche Verzögerung bei Greisen rührt nicht her von dem Gradeder Aufmerksamkeit, sondern von dem Zustande der Gehirnzellen.