266 DIB DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
„Es stellt fest, dass im Augenblick des Vorbeigangs derBeobachter nicht den Schlag des Pendels hört, sonderneinen inneren Schlag, den sein Gedanke an dessen Stellesetzt, gerade wie der Musiker, der nicht auf den Tact-schlag des Capellmeisters wartet, um einzusetzen, sonderndem Tactmaasse vorauseilt“ 1 ). Dass das Gedächtniss aberhier ins Spiel kommt, ist für die Psychologie sehr wichtig,denn es gestattet die Möglichkeit eines Vergleichs in Be-zug auf die Dauer eines gegenwärtigen und eines ver-gangenen Zustandes, und es mag gleich vorweg bemerktsein, dass die Reproduction eines Bewusstseinszustandeseine grössere Zeit in Anspruch nimmt, als die Production.
Der Astronomie folgte die Physiologie auf der neuenBahn. 1850 maass Helmholtz genau die Zeit, welchedas Nervenprincip gebraucht, um einen Nerven von be-stimmter Länge zu durchlaufen. Er reizte den Nervenin der Nähe des Muskels und liess mittels eines Schreib-hebels an einen durch ein Uhrwerk getriebenen Cylinderdiese Bewegung aufzeichnen. Da die Umlaufsgeschwindig-keit des Cylinders genau bekannt war, so konnte er diezwischen dem Reize und der Contraction des Muskelsverstrichene Zeit genau berechnen. Dann reizte er denNerven an einer von dem Muskel entfernteren Stelle, undindem er diese Contraction abermals aufzeichnen liess,konnte er constatiren, dass jetzt zwischen Reiz undContraction eine grössere Zeit verstrichen war. DieseVerlangsamung gestattete dann wieder eine Berechnungder Geschwindigkeit des Nervenprincips.
Die Experimente llelmholtz’s sind von verschie-denen Forschern, Du Bois-Reymond, Marey, Hirsch,Schelske, De Jaager, Baxt u.A., wieder aufgenommen,
x ) Wolf, L’equation personelle, ses lois et son origine, 1871.