Druckschrift 
Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

WUNDT.

205

ursprünglichen Elemente; denken wir sie uns hinweg,so verschwindet die dritte.

Die Frage nach der Intensität, welche als psycho-physisches Gesetz eingehend erörtert worden ist, könnenwir übergehen und uns gleich zur Qualität wenden.

Unter Qualität der Empfindung verstehen wir den-jenigen Bestandtheil derselben, welcher übrig bleibt,wenn wir die Intensität uns hinwegdenken. In qualitativerBeziehung können die Empfindungen in zwei grosse Klasseneingetheilt werden:

I

1. Die qualitativ einförmigen, welche nur einebestimmte Qualität von allen möglichen Intensitäts-abstufungen erkennen lassen. Hierher gehören die Organ-empfindungen, die Hautempfindungen (Druck, Wärme,Kälte), die Innervationsgefühle, d. h. die unmittelbareEmpfindung der bei der Bewegung aufgewandten Muskel-kraft, und die eigentlichen Muskelgefühle, welche vondem Ernährungszustände, der Ermüdung, Verletzung etc.der Muskeln herrühren.

2. Die qualitativ mannigfaltigen Empfindun-gen, welche aus verschiedenen Qualitäten bestehen, diein einer ähnlich abgestuften Weise, wie die Intensitäts-grade einer Empfindung in einander übergehen können(Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack). Man ist zu derAnnahme berechtigt, dass die qualitativen Mannigfaltig-keiten unmittelbar mit den Structurverhältnissen derSinnesorgane, namentlich aber der Endigungsweise derSinnesnerven Zusammenhängen. Für den Geruch kommendie Riechzellen in Betracht, welche zwischen den cylin-drischen Epithelzellen der Nasenschleimhaut liegen; fürden Geschmack die becherförmigen Organe; für das Ge-