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DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
Die Einheit seiner Arbeit beruht auf seiner Methode.Diese stützt sich auf die Ergebnisse der Physiologie; directbei den Empfindungen, welche in letzter Instanz dieGrundlage jeder Psychologie und die Nahrung jedes gei-stigen Lehens sind; bei den unwillkürlichen Bewegungen,der Sprache, den niederen Formen des Gefühls und ihremnatürlichen Ausdruck; indirect bei dem Willen, der Auf-merksamkeit, den Begriffen des Raumes und der Zeit undden ästhetischen Gefühlen. Wo die Psychologie nichtausreicht, nimmt sie Anthropologie, Ethnologie, Geschichteund Statistik zu Hülfe, kurz sie gleicht in nichts derspeculativen und der von ihr nur wenig verschiedenenMethode der reinen Selbstbeobachtung.
Die Psychologie muss also vom naturwissenschaft-lichen Standpunkte aus bearbeitet werden, und dies ist inunseren Tagen auch schon öfter geschehen. Einen funda-mentalen Fortschritt gegenüber den früheren speculativenSystemen haben die bisherigen Versuche jedoch nicht her-beigeführt, da auch die naturwissenschaftliche Psychologieals ihre einzige Quelle die Selbstbeobachtung anerkannthat. „Den Thatsachen des Bewusstseins, die jeder aus derSelbstbeobachtung schöpfen kann, ist aber seit Menschen-gedenken nichts zugefügt, und kaum kann die Wissen-schaft etwas zu denselben hinzuthun, was nicht auch dergemeinen Erfahrung geläufig wäre. So ist denn die Psy-chologie seit Jahrhunderten im Wesentlichen auf dem-selben Punkte stehen geblieben; und Wissenschaft undgemeine Erfahrung sind in ihr kaum von einander unter-schieden“ Q.
9 Wundt, Vorlesungen über die Menschen- und Thierseele,Leipzig 1863. Bd. I. Vorrede, S. IV.