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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
Entstehung
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163
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FECHNER UND DIE PSYCHOPHYBIK. 163

Anzahl von Sängern in unserm Ohre keine Empfindungvon doppelter Stärke hervorbringt. Man weiss auch, dassdie Sonne bei Finsternissen zu einem grossen Theile ver-dunkelt sein kann, ohne dass die Helligkeit des Tagesmerklich vermindert erschiene.

Diese Erfahrungen lehren uns, dass ein und derselbeReiz je nach den Umständen, unter denen er einwirkt,eine mehr oder minder intensive Empfindung erzeugen,oder selbst gar nicht empfunden werden kann. Wirkönnen die Bedingungen hierfür genauer angeben, indemwir sagen: Damit ein Reiz empfunden werde, musser um so schwächer sein, je schwächer der Reizist, dem er zugefügt wird, und um so stärker, jestärker der Reiz, zu dem er kommt. Man bemerkt,dass dies nur ein unbestimmter Ausdruck des von Weberaufgestellten Gesetzes ist; aber es ist besonders be-achtenswerth, dass vor jeder experimentellen Unter-suchung schon die Erfahrungen des täglichen Lebensuns zeigen, dass die Abhängigkeit zwischen Reiz undEmpfindung nicht so einfach ist, als man vermuthenmöchte. Denn das einfachste Verhältnis wäre es offen-bar, wenn die Empfindung stets wächst wie der Reiz,wenn also einem Reize von der Stärke 1 eine Em-pfindung 1, einem Reize von der Stärke 2 eine Empfin-dung 2 u. s. w. entspräche. Dann müsste aber auch einReiz, der zu einem bereits vorhandenen starken Reizehinzuträte, eine ebenso grosse Zunahme der Empfindungbewirken, als wenn er zu einem schwachen Reize käme,das Licht der Sterne müsste also am Tage als ein ebensogrosser Zuwachs zu dem schon vorhandenen Lichte er-scheinen, wie bei der Nacht. Das ist nun nicht der Fall,und es ist deshalb klar, dass die Intensität der Em-pfindung nicht proportional der Intensität des

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