DIE ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 151
angegebene, der Regel nach falsche, Anschauungsbilderzu kämpfen hat J ).
Wir dürfen jedoch auch die gegen die empiristischeTheorie geltend gemachten Einwände nicht mit Still-schweigen übergehen.
Der erste stützt sich auf eine allbekannte Thatsache,die schon Bailey zum Angriff gegen Berkeley’s Theoriebenutzte und die seitdem von den Nativisten wiederholteingewandt ist. Das Küchlein, das an seinem Schwänzenoch die Reste der Schale mit sich schleppt, fängt einfliegendes Insect; das Kalb säugt an der Kuh; das jungeKrokodil läuft sofort ins Wasser, beisst in einen ihmvorgehaltenen Stock u. s. w. Man kann nicht leugnen,dass diese Thatsachen, selbst wenn man sie, wodurchnichts erklärt wird, als Instincte auffasst, eher zu Gunstender nativistischen Theorie sprechen, weil sie zeigen, dassdiese Thiere, sobald sie „das Licht der Welt erblicken,auch die Tiefe sehen.“ Helmholtz antwortet darauf:„Man sagt vom Kalbe, dass es das Euter sehe und daraufzugehe; ob es dasselbe nicht bloss riecht und die Bewe-gungen fortsetzt, die es diesem Gerüche näher bringen,wäre erst noch zu prüfen. . . . Das Hühnchen pickt vonAnfang an nach kleinen Objecten, . . . aber man mussdabei bedenken, dass es schon vorher in der Eischalegepickt hat. Auch picken sie von Anfang an geschicktund ohne zu fehlen nach kleinen Objecten, die am Bodenliegen, müssen aber erst lernen, was sie aufzupicken undwas zu vermeiden haben, denn anfangs picken sie auchnach ihrem eigenen Unrath.“
Der zweite Einwand stützt sich auf theoretischeErwägungen. Die Entwicklung unserer Raumvorstel-
J ) Helmlioltz, Pbys. Optik, S. 441.