DIE ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 139
diese beiden Flächenarten scliliessen die dritte Dimen-sion in sich, denn in ihnen liegt An- oder Abwesenheiteiner Neigung, sich nach der Tiefe zu zu krümmen.
Das sind die Hauptformen der nativistischen Theorie.„Ihr Kernpunkt ist, dass sie die Localisation der Ein-drücke im Gesichtsfelde von einer angeborenen Einrich-tung ableiten, entweder so, dass die Seele eine directeKenntniss der Ausdehnungen der Netzhaut haben soll,oder so, dass in Folge der Reizung bestimmter Nerven-fasern gewisse Raumvorstellungen vermittels eines an-geborenen, nicht weiter definirbaren Mechanismus ent-stehen“ ] ). Es bleibt uns jetzt noch übrig, die Empiristenselbst zu hören.
Der erste systematische Vertreter des Empirismusist Berkeley. Nach ihm ist der eigentliche und aus-schliessliche Gegenstand des Gesichtes die Farbe; dieGesichtsempfindungen sind willkürliche, Zeichen, welchein uns die Vorstellung der Aeusserlichkeit erwecken.„Wir nehmen die Entfernung nicht direct, sondern mit-tels eines Zeichens wahr, welches mit ihr nicht die ge-ringste Aehnlichkeit hat, auch in keiner nothwendigenBeziehung zu ihr steht und welches uns, genau in derArt wie die Worte, nach wiederholten Erfahrungen dieVorstellung von ihr liefert“ 1 2 ). Endlich betrachtet schoner die Tastempfindungen als unentbehrliches Hiilfs-mittel der Gesichtsempfindungen.
Jedoch hingen Berkeley’s Ansichten noch miteiner allgemeinen Lehre, dem „Immaterialismus“, zusam-men, und erst Steinbuch hat die Frage unter einer
1 ) Helmholtz, Physiologische Optik, S. 805.
2 ) Alcipliron or the minute pliilosopliers, fourtli dial. — Vergl.auch Essay towards a new Theory of Vision, 1709.