DIE ENTSTEHUNG DEN RAUM ANSCHAUUNG. 137
Die Grundzüge der Panum’sehen Theorie tretenuns in deutlicherer und fester ausgebildeter Form in deryon Hering * 1 ) aufgestellten Theorie wieder entgegen,welche nach der übereinstimmenden Ansicht aller dieconsequenteste Form der nativistischen Theorie ist.Hering nimmt an, dass die Erregung der verschiedenenNetzhautpunkte Raumgefühle dreierlei Art hervorrufe:Höhe- und Breitegefühle, welche zusammen das Rich-tungsgefühl für den Ort im gemeinschaftlichen Gesichts-felde ergeben und für correspondirende Netzhautpunktegleich sind. Das dritte Raumgefühl, die Tiefe, hat in jezwei identischen Netzhautpunkten gleiche, aber entgegen-gesetzte Werthe, dagegen auf symmetrisch gleich gelege-nen gleiche und gleichsinnige Werthe. Das Tiefengefühlder äusseren Netzhauthälften ist positiv, d. h. entsprichtgrösserer Tiefe, das der inneren Netzhauthälften negativ,d. h. entspricht grösserer Annäherung. Da die identi-schen Punkte gleichwertliige aber entgegengesetzte Tiefe-gefühle haben, so ist für sie die Tiefen Wahrnehmunggleich Null. Diese Punkte erscheinen nun durch einenunmittelbaren Act der Empfindung in einer Ebene, derKernfläche des Sehraums. Anfangs tritt diese Flächein keiner bestimmten Entfernung auf; sie erlangt erstdurch den Einfluss der Erfahrung ein Lageverliältniss inBezug auf den Sehenden. Unser Körper, welcher immerim Sehraume erscheint, dient uns zur Grundlage derBestimmung der Entfernung. Die auf den äusseren
Winkel, unter dem ein Gegenstand in einer gegebenen Entfernunggesehen wird. Bei dem binocularen Sehen werden deshalb zweizur Medianebene des Beobachters nicht symmetrisch gelegenePunkte für jedes Auge mehr oder minder verschiedene Parallaxenbilden.
1 ) Beiträge zur Physiologie, Leipzig 1862 bis 1864.